Dienstag, 6. Dezember 2016

Rezension: Die notarielle Fachprüfung

Tegen / Gockel / Horndasch / Schulte, Die notarielle Fachprüfung, 1. Auflage, Notarverlag 2016

Von Rechtsanwalt Malte Schneider, Helmstedt



Mit der Einführung des Gesetzes zur Neuregelung des Zugangs zum Anwaltsnotariat vom 02.04.2009 wurde die notarielle Fachprüfung eingeführt. Danach ist seit dem 01.05.2011 das erfolgreiche Bestehen der notariellen Fachprüfung Voraussetzung für die Bestellung zum Anwaltsnotar. Der bereits zuvor eingeschlagene Weg der „Bestenauslese“ mit dem davor existierenden Punktesystem wurde konsequent weiterverfolgt. Nicht umsonst trägt die notarielle Fachprüfung den inoffiziellen Beinamen „3. Staatsexamen“. Bereits daraus ergibt sich der immense Prüfungsumfang, auf welchen sich auch gestandene und praxiserfahrene Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen mit erheblichem Aufwand vorbereiten müssen.

Diesem Maßstab liegt das aktuelle Werk von Tegen / Gockel / Horndasch / Schulte zugrunde. Das umfangreiche Werk, aufgeteilt in die fünf Fachgebiete Immobilienrecht, Erb- und Übertragungsrecht, Familienrecht, WEG und Erbbaurecht sowie Handels-und Gesellschaftsrecht, gibt dem Prüfling eine stark prüfungsorientierte Ausbildungsliteratur an die Hand.

Dabei werden nicht nur zunächst die essentiellen Grundlagen des jeweiligen Rechtsgebiets nachvollziehbar behandelt, sondern durchaus auch detaillierter Tiefgang an den praxisrelevanten Stellen. Darüber hinaus bietet das Lehrbuch nachvollziehbare Beispiele der rechtlichen Ausführungen. Abgerundet wird diese Ausbildungsliteratur durch Musterklausuren nebst Lösungsvorschlägen sowie durch die hilfreiche Formulierungs- und Gestaltungsvorschläge. Es gefällt, dass die Lösungsvorschläge der Übungsklausuren ausformuliert sind und daher eine „Eigenkorrektur“ der geschriebenen Übungsklausur problemlos möglich ist. Auch werden dem Prüfling eingängige Definitionen von Fachbegriffen für die Prüfung und Praxis an die Hand gegeben.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dem Werk der Spagat zwischen wissenschaftlichem Anspruch und praktischem Nutzwert hervorragend gelingt. Die erfahrenen Fachautoren haben mit dem vorliegenden, den aktuellen Stand der Rechtsprechung wiedergebenden, Lehrbuch ein hervorragendes Werkzeug für die Prüfungsvorbereitung auf die notarielle Fachprüfung geschaffen. Der Praktiker erhält ein logisch strukturiertes Werk mit einer Vielzahl von Formulierungshilfe, welche im Klausurexamen der Notarprüfung –und auch danach in der Praxis- wertvolle Dienste leisten.


Im Rahmen der Prüfungsvorbereitung führt nach hiesiger Auffassung kein Weg an diesem Werk vorbei und sollte zur Grundausstattung der eigenen Bibliothek gehören. Nach meiner Meinung ist das Werk –trotz des hohen, wenn auch angemessenen Kaufpreises- eine klare Kaufempfehlung. Es darf nicht vergessen werden, dass die Prüflinge der notariellen Fachprüfung zugelassene Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen sind und die Prüfungsvorbereitung daher –in aller Regel- neben der (Vollzeit-) Berufstätigkeit erledigt werden muss. Daher ist überragende Effizienz gefragt; in möglichst wenig Zeit muss maximales Wissen generiert werden. Diesem Anspruch wird das Werk voll gerecht!

Montag, 5. Dezember 2016

AnwaltFormulare Verkehrsrecht

Tietgens / Nugel, AnwaltFormulare Verkehrsrecht, 7. Auflage, Anwaltverlag 2017

Von Richter am Amtsgericht Carsten Krumm, Dortmund



Mittlerweile gibt es einige Formularbücher zum Verkehrsrecht – und die Anwaltschaft nimmt diese Hilfsmittel sämtlich gut an. Das vorliegende Buch aus dem Anwaltsverlag ist das wohl dickste und umfangreichste Formularbuch für Verkehrsrechtler. 19 Autoren haben sich in nunmehr 7. Auflage aufgemacht, das verkehrsrechtliche Know-How in Formulare zu gießen. Darunter sind auch die Rezensentenkollegen Sebastian Gutt und Benjamin Krenberger. Letztere haben die Bereiche Strafrecht und Ordnungswidrigkeitensachen bearbeitet. Aber auch die anderen Autoren sind in der verkehrsrechtlichen Szene bekannt. So ist ganz klar gewährleistet, dass das Buch systematisch, aber auch rechtlich auf der Höhe der Zeit ist. Sämtliche Autoren sind Praktiker – die Erwartungen sind dementsprechend hoch. Und sie werden auch nicht enttäuscht. Auf fast 1100 Buchseiten findet sich tatsächlich alles, was im Verkehrsrecht von Bedeutung ist.

Das Buch gliedert sich in die Teile Verkehrszivilrecht, Straf- und OWi-Recht und schließlich Verkehrsverwaltungsrecht. Beim Aufbau fällt auf, dass gebührenrechtliche Fragen richtigerweise mit erläutert sind – im Zivilrecht innerhalb der zivilrechtlichen Darstellungen, im Straf- und OWi-Bereich gesondert. Im Verkehrsverwaltungsrecht fehlen derartige Ausführungen leider.

Ansonsten sind aber alle verkehrsrechtlichen Standardkonstellationen ausführlich abgehandelt. Im zivilrechtlichen Teil findet sich naturgemäß zunächst ein einführendes Kapitel mit Checklisten und allgemeinen Schreiben zur Mandatsvorbereitung und Informationsbeschaffung. Hier sind dann z.B. ein Standardschreiben wie die Anfrage an den Zentralruf der Schadensversicherer enthalten (Muster 1.3) oder auch ein erstes Anschreiben an die gegnerische Haftpflichtversicherung (Muster 1.11). Weiter geht es ganz praxisnah mit Auslandsschäden, Anspruchsgrundlagen im Falle eines Unfalls, versicherungsrechtlichen Themen, Personenschadensfragen oder auch Darstellungen zu Klagen und selbständigen Beweisverfahren. Abgerundet wird dieses Kapitel durch bereits erwähnte gebührenrechtliche Erörterungen und schließlich ein Kapitel zum Umgang mit einer Rechtsschutzversicherung. Nicht nur junge Anwälte, die erstmals im Verkehrsrecht tätig sind, werden wertvolle Hinweise für die tägliche Arbeit finden, sondern auch alte Hasen. Die Muster sind nämlich nicht nur als solche vorhanden sondern stets eingebettet in weitere Ausführungen zur Rechtslage oder zu praktischen Lösungsansätzen. So wird etwa von Nugel/Penders im Rahmen der Darstellungen zur Schadenssachbearbeitung in Kapitel 8 zunächst auf zwei Seiten ausführlich dargestellt, wie es grundsätzlich mit der Abrechnung auf Basis des Wiederbeschaffungswertes funktioniert (S. 266 ff.), um dann auf diesem Fundament die einzelnen hiermit einhergehenden Probleme mit etwa immer einer halben Seite Erläuterungen und einer halben Musterseite darzustellen.

Danach folgen etwa 190 Seiten Straf- und Bußgeldrecht. Sebastian Gutt befasst sich mit den Strafsachen und arbeitet sich dabei anhand der üblichen Stichworte und Problemkreise vor allem durch die §§ 142, 229, 230, 240, 315 b ff, 44, 69 f StGB. Auch die vorläufige Fahrerlaubnisentziehung, das Fahren ohne Fahrerlaubnis und der Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz finden sich. Mir gefallen hier vor allem die Ausführungen zur Unfallflucht. Hier finden sich Darstellungen und Muster zu solchen Klassikern wie dem öffentlichen Straßenverkehr, der Unfallbeteiligung, der Bemerkbarkeit des Unfalls und vor allem auch der Schadensbestimmung. Gutt blendet hier auch schon auf § 69 StGB vor und zeigt mögliche Verteidigungsansätze in diesem Zusammenhang auf.

Der von Benjamin Krenberger bearbeitete OWi-Teil ist dann ganz anders aufgebaut, nämlich prozessual. Ähnlich wie im zivilrechtlichen Teil gibt es zunächst allgemeine Darstellungen zur Mandatsübernahme und ersten Anfragen/Anschreiben. Natürlich findet sich hier natürlich ein anwaltsübliches Schreiben zur Akteneinsicht. Weiter geht es mit dem Vorverfahren und möglichen Einstellungen. Vollmachtsfragen werden ebenso dargestellt, vgl. S. 877 ff. Natürlich befasst sich Krenberger dann auch mit Entbindungsanträgen, dem Beschlussverfahren (§ 72 OWiG) und allgemeinen terminsvorbereitenden Schriftsätzen. Auch speziell auf übliche Fahrverbotskonstellationen zugeschnittene Schriftsatzmuster sind enthalten (Unverwertbarkeit von Voreintragungen, fehlende abstrakte Gefährdung, Augenblicksversagen, fehlende Erforderlichkeit oder auch Fahrverbotshärten). Das Verhalten in der Hauptverhandlung und die Einlegung von Rechtsmitteln werden auch ausführlich dargestellt.

Nach dem bereits erwähnten und von Dötsch verfassten Kapitel zum straf- und ordnungswidrigkeitenrechtlichen Gebührenrecht gibt es dann noch Ausführungen zum Verkehrsverwaltungsrecht. Dargestellt wird hier alles rund um die typischen verkehrsrechtlichen Themenkreise im Verwaltungsrecht, also Fahreignung, Fahrtenbuch, EU-Führerschein und schließlich auch der vorläufige Rechtsschutz.

Auch wenn der Aufbau der einzelnen Buchkapitel sich jeweils sehr unterscheidet, ist das Konzept insgesamt schlüssig. Alle relevanten Fragen werden dargestellt.

Die Verzeichnisse im Buch sind ordentlich gepflegt. Auch die äußere Darstellung der Texte ist angenehm. Ausreichend große Schrift und vernünftige, also lesefreundliche Zeilenabstände. Viele aussagekräftige Überschriften sind ebenso vorhanden, wie zahlreiche Fettungen entscheidender Stichwörter im Text. Hinweise und Praxistipps runden das gute Bild dann ab. Schließlich ist noch darauf hinzuweisen, dass sämtliche Formulare auf einer dem Buch beiliegenden CD zur Verfügung stehen. Die Anwaltschaft wird das freuen. Man kann so das Formularbuch von Tietgens/Nugel nur wärmstens empfehlen. Eine Anschaffung lohnt sich nicht nur für Berufsanfänger, sondern auch für erfahrene Verkehrsanwälte.

Sonntag, 4. Dezember 2016

Rezension: Anwaltsunternehmen führen

Heussen, Anwaltsunternehmen führen, 3. Auflage, C.H. Beck 2016

Von Rechtsanwältin Marion Andrae, Saarbrücken



Die neu bearbeitete und erweiterte dritte Auflage des Werkes wendet sich nicht nur an größere Kanzleien, sondern insbesondere auch an kleinere Sozietäten und Einzelanwälte. Jede Kanzlei ist ein Anwaltsunternehmen. Der Anwalt, der für fremde Interessen kämpft, muss erkennen, dass er auch Unternehmer ist und sein Handeln entsprechend ausrichten. Das Buch zeigt auf, dass ein Anwaltsunternehmen nur bestehen und wachsen kann, wenn auch Grundregeln des Managements beachtet werden. Der Autor verfügt über eine langjährige Erfahrung auf dem Gebiet des Anwaltsmanagement, er ist Partner einer überörtlichen Anwaltssozietät und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Kanzleimanagement im DAV.

In 14 Kapiteln beschreibt das Werk die Grundregeln des Kanzleimanagements anhand zahlreicher Beispiele, Checklisten und Übersichten. Die für einen Juristen sperrig anmutende Materie wird dem Leser sprachlich verständlich, an vielen Stellen sogar sehr humorvoll und unterhaltsam vermittelt. Der Autor gibt Einblicke in seine langjährige Berufserfahrung und verwendet eine oft bildhafte Sprache, die sehr eingängig ist. Das kompakte Werk gibt zahlreiche praktische Anregungen und Denkanstöße zur Umsetzung in der eigenen Kanzlei. Der Autor hebt hervor, dass nicht nur die eigentliche Mandatsarbeit des Anwalts, sondern auch das Kanzleimanagement außerordentlich stark von der Persönlichkeit des Anwalts bestimmt wird. Er unterscheidet vier Grundtypen, den Finder, Minder, Grinder und Binder. Abhängig vom Persönlichkeitsprofil unterteilt der Autor die Unternehmensstruktur dann in der Folge in Jäger, Gärtner und Sammler. Das Werk beschreibt 16 Segmente der Gesamtorganisation, die tatsächlichen und rechtlichen Strukturen Kanzleiorganisation, Finanzfragen und die Gewinn- und Kostenverteilung.

Weiter beschreibt das Buch das Personalmanagement und wie der Anwalt Mandanten finden und Märkte entwickeln kann. Dabei gibt der Autor auch Argumentationshilfen gegenüber dem Mandanten für ein angemessenes Honorar und wie mit Konflikten mit Mandanten umzugehen ist. Der Leser erfährt, wo und warum er handeln muss, was zu tun ist, welche Ziele damit verbunden sind und was ihn erwartet, wenn nicht handelt. Dabei verliert sich das Werk nicht in betriebswirtschaftlichen Theorien, sondern beschreibt die anwaltstypischen Managementprobleme.

Neu sind die Kapitel bzw. Ausführungen der Co-Autoren. Stefan Rizor beleuchtet in Kapitel 13 die zunehmende Internationalisierung der Anwaltstätigkeit und deren Auswirkungen auf das Anwaltsmanagement. Jan Petke betrachtet das Anwaltsunternehmen aus Sicht des Unternehmensberaters, zeigt typische Fehler auf und gibt konkrete Vorschläge und zur Überwindung von Widerständen.


Da das Anwaltsmanagement in der Juristenausbildung stiefmütterlich bis gar nicht behandelt wird, kann die Lektüre dieses Buches nur jedem Anwalt empfohlen werden. Das Fazit des Autors, dass der Anwaltsberuf interessante Zeiten erlebt hat und noch erleben wird, ist zutreffend. Den veränderten Strukturen muss sich ein Anwaltsunternehmen stellen, wenn es auch zukünftig am Markt bestehen will. Hierzu leistet dieses Werk einen wertvollen Beitrag.

Samstag, 3. Dezember 2016

Rezension: Medizinrecht

Prütting, Medizinrecht, 4. Auflage, Luchterhand 2016


Von RAin Sarah Hoyer, Dresden



Wer im Medizinrecht als Anwalt, Richter oder Justiziar tätig ist, sieht sich aufgrund der verschiedenen Bereiche mit einer Vielzahl von Gesetzen konfrontiert. Egal ob man Fragen im Apothekenrecht, Arzneimittelrecht, Berufsrecht, zur Patientenverfügung, zum Krankenhausrecht oder zum Medizinprodukterecht hat, im Kommentar „Medizinrecht“ findet man zu all diesen und vielen weiteren Bereichen ausführliche Darstellungen und Anmerkungen hinsichtlich der für den jeweiligen Themenkomplex relevanten Vorschriften.

Der Kommentar „Medizinrecht“ wurde im Jahr 2016 von Prof. Dr. Dorothea Prütting nunmehr bereits in seiner 4. Auflage herausgegeben. Die Bearbeiter des Kommentars sind Praktiker und Vertreter aus Wissenschaft und Lehre.

Neben der aktuellen Rechtsprechung wurde in der Neuauflage des Kommentars vom Autorenteam eine Vielzahl von wichtigen Gesetzesänderungen sowie neue Gesetze eingearbeitet und an entsprechender Stelle mitberücksichtigt. Diese für das Medizinrecht maßgeblichen Gesetzesänderungen und die im letzten bzw. in diesem Jahr neu in Kraft getretenen Vorschriften sind von weitreichender Bedeutung.

So soll nunmehr zum Beispiel durch das im Januar 2016 in Kraft getretene Krankenhausstrukturgesetz u.a. eine gute erreichbare Versorgung vor Ort und gute Arbeitsbedingungen für das Personal in den Krankenhäusern sichergestellt werden. Durch das Krankenhausstrukturgesetz wurden unter anderem Änderungen in einzelnen Vorschriften des Krankenhausentgeltgesetzes, des SGB V, des Infektionsschutzgesetzes oder des Krankenhausfinanzierungsgesetzes vorgenommen. Die Kommentierung enthält an entsprechender Stelle Anmerkungen dazu, wie diese neuen Vorschriften zu handhaben sind.

Durch das im letzten Jahr in Kraft getretene Präventionsgesetz sollen des Weiteren die Grundlagen für eine stärkere Zusammenarbeit der Sozialversicherungsträger, Länder und Kommunen in den Bereichen der Prävention und der Gesundheitsförderung gestärkt werden. Im Kommentar findet man diesbezüglich beispielsweise in den §§ 20, 20a SGB V entsprechende Anmerkungen und Ausführungen.

Auch die im Dezember 2015 in Kraft getretene Strafvorschrift zur geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung wird ausführlich und über mehrere Seiten gut verständlich kommentiert.

Der Kommentar ist, wie auch schon in seinen vorhergehenden Auflagen, entsprechend der kommentierten Gesetze alphabetisch aufgebaut. Es wird als besonders angenehm empfunden, dass die Verweise auf wichtige Rechtsprechung oder auch auf weiterführende Literatur nicht in gesonderten Fußnoten abgedruckt sind, sondern direkt an der entsprechenden Textstelle der Kommentierung stehen. Positiv hervorzuheben, sind außerdem die Inhaltsübersichten, welche vor der jeweiligen Kommentierung abgedruckt sind. Diese geben dem Leser eine gute Orientierung und man kann gezielt an der entsprechenden Randnummer einsteigen. Damit ist ein effektives Arbeiten ohne langes Suchen möglich.

Für die Lösung medizinrechtlicher Fragestellungen ist die Neuauflage auf jeden Fall zu empfehlen. Der Leser bekommt fundierte Ausführungen und Anmerkungen zu entsprechenden medizinrechtlich relevanten Vorschriften geliefert. Dadurch ist der Kommentar ein guter Begleiter für eine praxisgerechte Bearbeitung von Fällen. Eine fachgerechte Falllösung ist gewährleistet.

Freitag, 2. Dezember 2016

Rezension: Die Zivilgerichtsklausur im Assessorexamen – Band I

Kaiser / Kaiser / Kaiser, Die Zivilgerichtsklausur im Assessorexamen – Band I: Technik, Taktik, Formulierungshilfen, 7. Auflage, Vahlen 2016

Von Referendar am Hanseatischen Oberlandesgericht Christian F. Bock, Hamburg



Nunmehr in der 7. Auflage erscheint „Die Zivilgerichtsklausur im Assessorexamen“, die Teil der Kaiser-Skriptenreihe ist und von Seminarleitern der Kaiserseminare verfasst wird. Das Skript richtet sich an Referendare und orientiert sich dementsprechend an den Anforderungen des Examens. Es versteht sich selbst als eine Hilfestellung zum Einstudieren und Einüben examensrelevanter Frage- und Problemstellungen, ersetzt insoweit aber nach der eigenen Konzeption nicht die Lektüre eines Lehrbuchs zur Aneignung profunder zivilprozessualer Basiskenntnisse. Hilfe soll das Skript leisten, indem die Probleme der Referendare bei der Umsetzung zivilprozessualer und materiell rechtlicher Kenntnisse in die Klausurpraxis durch Formulierungsvorschläge für typische Konstellationen gemindert und Wege für eine Herangehensweise an prozessrechtliche Probleme vorschlagen werden.

Grundlegende legislatorische Änderungen hat das insoweit relevante Zivilrecht nicht erfahren. Die Neuauflage berücksichtigt insofern einige jüngere Entscheidungen wie beispielsweise zur gewillkürten Prozessstandschaft bei Vollstreckungsgegenklagen BGH 10.12.2013 – XI ZR 508/12 NJW‑RR 2014, 653 Rn. 12 (vgl. dazu Kaiser Rn. 353) und legt den Darstellungen neue Konstellationen aus den letzten Examensdurchgängen zugrunde. Fußnoten enthält das Skript weiterhin nicht und auch der Text ist im Hinblick auf die Wiedergabe von Gerichtsentscheidungen –nachvollziehbar – ausgedünnt. Gerade deshalb erscheint aber die Darstellung von BGH 27.02.2015 – V ZR 128/14 – NJW 2015, 2425 Rn. 15 ff. zu den Auswirkungen eines Widerrufes der Prozessführungsermächtigung überflüssig, weil die Autoren selbst die Konstellation nicht für examensrelevant halten (vgl. dazu Kaiser Rn. 353).

Vor den Formulierungshilfen werden die prozessualen Probleme stets kurz abstrakt dargestellt und erläutert. Dass viele abstrakte Ausführungen sehr knapp gehalten sind, entspricht dem Konzept des Skripts. Allerdings sind einige Vorbemerkungen so knapp, dass sie erst mit dem nachfolgenden Fall und der Lösung nachvollziehbar werden. Das Skript versetzt Referendare schnell in die Lage prozessuale Probleme zutreffend und ansprechend darzustellen. Jede typisch auftretende Konstellation wird zumindest punktuell ausformuliert. Die Formulierungsvorschläge benutzen dabei immer wieder einprägsame, kurze prägnante Wendungen, die im Skript an späteren Stellen wiederkehren und derart beim Leser hängen bleiben. Durch zahlreiche kleine Fälle kann der Leser seine eigenen prozessualen Kenntnisse auf die Probe stellen und bekommt die Lösung in Form eines klausurtauglichen Formulierungsvorschlags geliefert. Außerdem erleichtern Übersichten gerade im Schnittfeld von Klagerücknahme und Klageänderung das Verständnis und die Systematik (vgl. Kaiser Rn. 404 ff., 420). Sehr hilfreich sind auch die Gliederungen und Hinweise zum Aufbau des Tatbestands (siehe Kaiser Rn. 27a ff.) und der Entscheidungsgründe (siehe Kaiser Rn. 259 ff.) bei unterschiedlichen prozessualen Klagesituationen.


Die Neuauflage des Skripts stellt für Referendare bei der ersten Beschäftigung mit Zivilgerichtsklausuren im Assessorexamen einen guten Ratgeber für die Formulierung sämtlicher examenstypischer Klagesituationen dar und bietet auch anschließend als Nachschlagewerk die Möglichkeit gezielt Formulierungen nachzuarbeiten, die noch Probleme bereiten. Für Referendare ist die Lektüre des Skripts ohne weiteres empfehlenswert.

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Rezension: Erbrecht

Brox / Walker, Erbrecht, 27. Auflage, Vahlen 2016

Von stud. iur. Jannina Schäffer, Tübingen



Sagenhafte 26 Auflagen hat das Werk „Erbrecht“ aus dem Hause Vahlen schon hinter sich und erscheint 2016 in der 27. vollständig neu bearbeiteten Auflage. Das von Dr. Hans Brox (1920-2009) begründete Lehrbuch wurde erstmals 1966 publiziert und feiert dieses Jahr seinen 50. Geburtstag. Seit der 22. Auflage wird der Klassiker von Prof. Dr. Wolf-Dietrich Walker fortgeführt, der die Professur für Bürgerliches Recht, Arbeitsrecht und Zivilprozessrecht an der Justus-Liebig-Universität Gießen innehat. Beide Autoren gemeinsam haben außerdem noch die sehr bekannten Lehrbücher zum BGB AT, sowie zum allgemeinen und besonderen Schuldrecht verfasst.

Die neue Auflage des hier besprochenen Werkes erscheint in der Reihe „Academia Iuris“ und enthält bereits Ausführungen zu der Europäischen Erbrechtsverordnung, die 2015 in Kraft getreten ist. Die diesjährige Reform des Erbschaftssteuerrechts ist anhand des Regierungsentwurfs dargestellt. Das Werk befindet sich auf dem Stand von Juni 2016 und ist somit brandaktuell. Das Lehrbuch ist für Studenten verfasst und will sie laut Vorwort der Autoren „an die rechtlich oft schwierigen aber praktisch bedeutsamen Fragen des Erbrechts heranführen“. Ob das gelingt?

Das Werk ist über 800 Seiten stark und gehört damit definitiv zu den umfangreichsten Lehrbüchern auf dem Markt. Dementsprechend überrascht es nicht, dass das Buch in 12 Abschnitte mit jeweils zahlreichen Unterkapiteln gegliedert ist. Im ersten Teil geben die Autoren eine Einführung in das Rechtsgebiet und erörtern die wichtigsten Grundbegriffe des Erbrechts, was für unerfahrene Studenten einen großen Mehrgewinn darstellt. In Abschnitt zwei wird die Berufung zum Erben erörtert. Dargestellt werden unter anderem die gesetzliche und die gewillkürte Erbfolge mit einem Schwerpunkt auf Testament und Erbvertrag, sowie der Ausschluss hiervon. Im dritten Abschnitt geht es um Anordnungen des Erblassers wie beispielsweise Auflagen und Vermächtnis. Während der vierte Abschnitt die Miterbengemeinschaft darstellt, geht es im fünften um das Pflichtteilsrecht. In Teil sechs wird der Schutz des Erben dargestellt und Teil sieben behandelt die Erbenhaftung. Die Autoren behandeln im achten Abschnitt Zuwendungen auf den Todesfall und erörtern in Abschnitt neun und zehn die Bezüge zwischen Erbrecht und Gesellschaftsrecht. Während Abschnitt elf sich mit dem Erbschaftssteuerrecht beschäftigt, dreht sich im letzten Teil alles um das internationale Erbrecht.

Schon ein Blick auf die letzten Kapitel zeigt: das Buch ist für Studierende viel zu umfangreich und thematisch nicht immer den Prüfungsordnungen angepasst. In einer Examensklausur wird wohl kaum das internationale Erbrecht oder Erbschaftssteuerrecht abgefragt werden. Für Praktiker oder Studenten mit dem Schwerpunkt Erbrecht ist dies wohl eher von Interesse. Ebenfalls ist gleich zu Anfang festzuhalten, dass das Buch mit über 800 Seiten wirklich sehr umfangreich ist. Die wenigsten Studenten werden für ein Nebengebiet derart viel Zeit aufbringen können. Wer das Werk von vorne bis hinten durcharbeitet, kann sich dafür sicher sein, wirklich jede Facette des Erbrechts einmal bearbeitet zu haben. Gerade wegen der allumfassenden Darstellung und den vielen Literaturangaben ist das Lehrbuch dafür aber gut als Rechercheliteratur für eine erbrechtliche Hausarbeit geeignet.

Positiv hervorzuheben ist, dass das Lehrbuch unzählige Beispielfälle enthält, die dem Leser die oft komplexe Thematik des Erbrechts verdeutlichen und praxisnah darstellen. Ebenfalls wirkt es sich sehr positiv auf das Verständnis und den Lesefluss aus, dass die Autoren sich kleiner Grafiken bedienen, die nicht nur den Text auflockern, sondern beispielsweise auch komplizierte Sachverhalte und Beziehungsverhältnisse darstellen. Insgesamt ist das Buch trotz seines Umfangs und seiner Fülle an Informationen übersichtlich gestaltet. Studierende werden sich besonders an den Zusammenfassungen am Ende eines Kapitels erfreuen. Im Anhang des Buches finden sich Mustertexte zu verschiedenen erbrechtlichen Problemkreisen. Diese sind wohl eher für Referendare und Praktiker von Bedeutung. Interessierte Studenten erhalten darin jedenfalls bereits einen wertvollen Einblick in die Praxis.


Auch wenn die Autoren das Buch speziell für Studierende der Rechtswissenschaften konzipiert haben, eignet es sich wohl eher als ein Handbuch zum Nachschlagen und Vertiefen einzelner Fragestellungen, denn als klassisches Lehrbuch. Hierfür ist es viel zu umfangreich. Trotzdem wird das Werk seinem Ruf als „Klassiker“ gerecht. Es behandelt wichtige erbrechtliche Problematiken vollumfänglich und wird regelmäßig aktualisiert. Da über den Kernbereich des Erbrechts hinaus auch Randbereiche behandelt werden, vermittelt das Werk ein umfassendes Bild des fünften Buches des BGB. Insofern kann „Erbrecht“ von Brox/Walker in vollem Umfang zu einem sehr gründlichen und wirklich ausführlichen Studiums des Erbrechts dienen. 

Mittwoch, 30. November 2016

Rezension: MüKo StPO Band 2

Hartmut Schneider (Hrsg.), Münchener Kommentar zur Strafprozessordnung: StPO; Band 2: §§ 151-332, 1. Auflage, C.H. Beck 2016

Von RA und FA StrR Johannes Berg, Kaiserslautern



Im Verlag C.H. Beck erscheint der zweite Band der neuen Großkommentierung zur Strafprozessordnung. Betreffend Aufmachung und Darstellung kann dem Grunde nach auf die ausführliche Besprechung des ersten Bandes durch Carsten Krumm verwiesen werden (http://dierezensenten.blogspot.de/2015/01/rezension-strafrecht-muko-stpo-band-1.html). In ähnlichem Verhältnis wie in der Bearbeitung der §§ 1-150 handelt es sich auch hier bei lediglich 8 von insgesamt 27 Autoren um Rechtslehrer (ohne praktische Tätigkeit), was das Werk vor zu großer Theorielastigkeit schützt, zugleich jedoch den in einem Großkommentar erwarteten Kritizismus garantiert. Wie im ersten Band folgt in den einzelnen Kommentierungen auf den Gesetzestext stets eine Literaturübersicht. Die Darstellung erfolgt wiederum stets sehr systematisch und strukturiert. Zitate, verbannt in die Fußnoten, stören nicht den Lesefluss. Zahlreiche „Fettungen“ machen die Lektüre eingängiger.

Mancher Leser mag in Erschütterung erstarren: doch alle 2472 Seiten habe ich nicht von vorne bis hinten durchgelesen. Ich habe jedoch längere Zeit in der Praxis mit dem Werk gearbeitet und hier vorwiegend die Kommentierungen der §§ 244, 245 und 264 StPO genutzt. Dabei fällt zunächst ins Auge, dass sich (im Gegensatz zu manch anderem Großkommentar) stets sehr überschaubare Ausführungen innerhalb der sauberen Gliederung finden. Es lässt sich daher sehr schnell, punktuell und präzise mit dem Werk arbeiten. Auch gefällt die äußerst saubere Zitatarbeit, die bei einem etwaigen Zahlendreher zu einer Entscheidungsfundstelle (den ich nicht ausmachen konnte) durch Datum und Aktenzeichen Netz und doppelten Boden bietet. Sieht man etwa in die Ausführungen von Trüg und Habetha zur Erhebung präsenter Beweismittel auf Beweisantrag (§ 244 Rn. 38ff.), so bietet das Werk an dieser Stelle alle wichtigen Antworten auf einen Blick. Hervorzuheben ist auch die Kommentierung des § 264 StPO durch Norouzi, (besonders mit seinen Ausführungen zur Kognitionspflicht, -herrschaft und deren Auswirkungen; Rn. 14, 35-42, 49), der es schafft, auf nur 26 Seiten alle wichtigen Fragen der schwierigen Norm zu durchdringen.


Zu bemängeln gibt es also wirklich rein gar nichts. Was bleibt ist die Frage, wer den MüKo StPO ob der Anzahl vorhandener Werke denn braucht. Staatsanwälte und Richter außerhalb von Bibliotheken als potentielle Abnehmer anzusehen, dürfte der Hoffnung zu viel sein. Unterstellt man aber als richtig, dass Verteidiger, die nicht allzu oft in Revisionsverfahren tätig sind, in aller Regel mit einem Handkommentar, einem mittleren Werk und einem Großkommentar zur StPO auskommen werden, möchte ich diesen den Münchener Kommentar wärmstens ans Herz legen. Der Preis von knapp 1.000,00 Euro für das Gesamtwerk ist zwar kein Pappenstiel, bleibt jedoch deutlich günstiger als bei den großen Konkurrenten. Festzuhalten bleibt nämlich: hier entsteht etwas Großes.