Montag, 30. Juli 2012

Rezension Öffentliches Recht: Sozialrechtshandbuch


von Maydell / Ruland / Becker (Hrsg.), Sozialrechtshandbuch, 5. Auflage, Nomos 2012


RA, FA für Sozialrecht, FA für Bau- und Architektenrecht Thomas Stumpf, Pirmasens

Das Sozialrechtshandbuch erscheint nach 2008 in neuer Auflage und wird sicherlich erneut einen Standard setzen. Rein haptisch liegt das gebundene Werk mit weit über 2 kg Gewicht und über 1.500 Seiten schwer in der Hand und setzt auch inhaltlich auf Vollkost. Seine Zielsetzung, in die Grundstrukturen des gesamten Sozialrechts einzuführen ohne sich dabei in zu vielen Details zu ergehen, wird mühelos erreicht, die Konzeption geht voll auf. Wer wissen möchte, wie unser Sozialsystem funktioniert, wird hier perfekt bedient.

Gegliedert ist das Werk in fünf große Teile (diese wiederum in 35 einzelne Abschnitte bzw. Paragrafen). Bereits der Aufbau gibt die Richtung des Werks vor, nämlich zunächst generalisierten, einleitenden Ausführungen speziellere Ausführungen zu den jeweiligen Teilbereichen des Sozialrechts folgen zu lassen.

Teil 1 befasst sich demnach eröffnend mit den allgemeinen Grundlagen, der Historie, den verfassungsrechtlichen Bezügen und ökonomischen Grundlagen des Sozialrechts und wagt gleichzeitig einen Ausblick auf Tendenzen und Ausrichtungen des Sozialstaats in der Zukunft. Teil 2 geht einen Schritt in der Grundlagendarstellung weiter und widmet sich den Sozialleistungsträgern, Sozialleistungen und dem Sozialverfahrensrecht. Teil 3 hat dann das Sozialversicherungssystem zum Gegenstand und erörtert neben der Organisation und Selbstverwaltung auch die Grundfragen zum Beitrags- und Versicherungsrecht, bevor sich die einzelnen Zweige der gesetzlichen Sozialversicherung in gesonderten Abschnitten anfügen. Teil 4 stellt die sonstigen Bereiche des Sozialrechts dar und spannt dabei den Bogen von den berufsständischen Versorgungswerken über Grundsicherung und Sozialhilfe, Schwerbehindertenrecht, Kinder- und Jugendhilferecht, Familienlastenausgleich, bis zum Wohngeldrecht und der Ausbildungsförderung. Der fünfte und letzte Teil stellt die Grundzüge des internationalen, europäischen und zwischenstaatlichen Sozialrechts dar.

Das Werk bietet weit mehr als „nur“ einen Überblick. Die Darstellungen und Erläuterungen sind ausführlich, umfassend und detailliert. Das Ergebnis ist ein hervorragendes Kompendium des gesamten aktuellen Sozialrechts. Es ist ein Buch, mit dem sich – dank des bärenstark besetzten Autorenteams (quasi ein Who-is-Who des Sozialrechts) und seiner unzähligen Literaturhinweise – gut wissenschaftlich arbeiten lässt. Gleichzeitig kann es von Studierenden und Referendaren/innen zum Erarbeiten des Grundverständnisses und auch der materiellen Rechtsgrundlagen ebenso herangezogen werden. Auch Anwälten/innen oder sonst mit dem Sozialrecht befassten Personengruppen (Gerichten, Behörden, Fachabteilungen) kann dieses Werk uneingeschränkt empfohlen werden. Dies betrifft im Falle der Anwaltschaft den angehenden Sozialrechtler ebenso wie den Gelegenheitssozialrechtler. Aber auch für den Fachanwalt ist das vorliegende Werk von Nutzen und bietet mehr als so manches am Markt erhältliche „Fachanwaltsbuch“. Die wenigsten Fachanwälte dürften in allen Bereichen des Sozialrechts tätig sein und können hier schnell und zuverlässig auf hohem Niveau Einstieg und Zugang zu Teilgebieten finden, die sie sonst eher selten aufsuchen. Wegen spezieller Fragen muss man ohnehin einen Kommentar zu Rate ziehen, was jedoch sehr schwierig wird, wenn man mangels Grundlagen nicht einmal weiß, welchen. Für den Praktiker machen sich – neben den wertvollen Hintergrundinformationen – zudem die zahlreichen Urteile und Rechtsprechungshinweise in den Fußnoten bezahlt.

Ein überaus gelungenes Werk, das in keiner sozialrechtlichen Sammlung fehlen sollte. Eine gute Ergänzung zu diesem Werk ist übrigens das ebenfalls bei Nomos erscheinende Werk Prozesse in Sozialsachen von Berchtold / Richter.

Freitag, 27. Juli 2012

Rezension Zivilrecht: Fachanwaltskommentar Medizinrecht


Prütting, Fachanwaltskommentar Medizinrecht, 2. Auflage, Luchterhand 2012

Von RiAG Dr. Benjamin Krenberger, Landstuhl

Das Medizinrecht ist ein thematisch sehr offenes Rechtsgebiet und wird im Rahmen der juristischen Ausbildung nur dezent tangiert. Allenfalls erfährt man über Besonderheiten bei der Arzthaftung oder im Strafrecht zur Körperverletzungsproblematik oder streift einmal das Arzneimittelgesetz. Wieviele Gesetze aber vom Medizinrecht betroffen sind, wieviel mehr man mittelbar noch hinzurechnen könnte, kann man erst in der Praxis erahnen. Wer sich intensiv mit der Materie beschäftigt, wird als Anwalt über kurz oder lang die Überlegung nach einem Fachanwalt für Medizinrecht angehen. Der vorliegende Kommentar ist zum einen ein für die Ausbildung zum Fachanwalt erstellter Begleiter, zum anderen eine stete Anregung selbst für den erfahrenen Praktiker. Knapp über 2500 Seiten erwarten den Leser und beinhalten Kommentierungen und ausführliche Verzeichnisse.

Die Gestaltung des Kommentars ist dabei angenehm übersichtlich, wenngleich die Verweise auf Rechtsprechung und Literatur im Text platziert werden, sodass der Lektürefluss an einigen Stellen unangemessen behindert wird. Die Aufteilung der Rechtsgebiete erfolgt alphabetisch sortiert nach der Gesetzesabkürzung, sodass z.B. das Arzneimittelgesetz (AMG) vor dem Apothekengesetz (ApoG) erläutert wird. Diese Vorgehensweise ist insofern nicht ganz geschickt, weil z.B. im Verzeichnis über die Themengebiete der Bearbeiter die alphabetische Reihenfolge gerade anders, also nach dem Thema gewählt wurde, und andererseits passende Bereiche, etwa BGB und ZPO weit auseinander stehen. Wenn man sich aber an die Systematik gewöhnt hat, erschwert es die Arbeit mit dem Werk nicht.

Innerhalb des BGB findet der Nutzer verschiedene Rechtsgebiete vor, etwa das Arzthaftungsrecht, das Arbeitsrecht, Patientenverfügungen oder das Gesellschaftsrecht, jeweils mit konkretem Bezug zum Medizinrecht. Innerhalb der ZPO gibt es einen eigenen Schwerpunkt zum Beweisrecht (§§ 284-287 ZPO). Und das Sozialrecht, jedenfalls die einschlägigen Bücher des SGB, wird aufgeteilt in (allgemeines) Sozialrecht, Krankenhausrecht und Pflegeversicherungsrecht. Eigene Abschnitte sind Sondergebieten vorbehalten, etwa dem Transplantationsrecht, dem Heilmittelwerberecht oder dem Embryonenschutzgesetz.

Das Arbeiten mit dem Kommentar fällt leicht, vor allem weil die jeweiligen Bearbeiter eine gesunde Mischung aus grundlegenden, vertiefenden und aktuellen Informationen geschaffen haben. So kann z.B. in der Kommentierung zu § 299 StGB bereits die nunmehr durch den BGH entschiedene Problematik zur Bestechlichkeit von Ärzten nachgelesen werden. In der Diskussion der Einwilligung von Minderjährigen im Rahmen des § 228 StGB kann wunderbar der herrschende Meinungsstand nach allen Seiten nachverfolgt werden. Auch die genaue Darlegung der Indikationen für einen Schwangerschaftsabbruch in § 218a StGB, rechtlich und medizinisch kohärent (Rn. 23 ff.). Im Rahmen von § 19 GWB wird in Rn. 7 ff. für den Krankenhaussektor beispielhaft eine Marktabgrenzung vorgenommen und auf diese Weise beim Leser viel Grundlagenwissen abgerufen bzw. angelegt. Die Haftung für Organisationsfehler im Krankenhaus (§ 823 BGB, Rn. 123 ff.) wird präzise mit den zu beachtenden Standards, menschlich und technisch, dargestellt und auch die immer wichtigere Haftung wegen Aufklärungsfehlern (Rn. 155 ff.) wird mit zahlreichen Variationen, außerdem im Bezug auf Zeitpunkt und Adressat gründlich erarbeitet. Im prozessualen Abschnitt werden korrelierend die möglichen Beweiserleichterungen im Behandlungsfehlerbereich abgehandelt (§ 286 ZPO, Rn. 36 ff.). Positiv ist zudem zu vermerken, dass sich die jeweiligen Bearbeiter auch mit Kritik bzw. persönlichen Ansichten nicht zurückhalten und dies jeweils explizit kennzeichnen (z.B. § 286 ZPO, Rn. 47), sodass der Leser einerseits einen wirklich reichhaltigen Überblick erhält, andererseits aber auch abwägen kann, welche Linie er für das eigene Mandat wählen möchte. Hervorzuheben sind ebenfalls die zahlreichen Kommentierungen rund um die Bildung, Führung und Auflösung einer ärztlichen Gemeinschaftspraxis (z.B. § 705 BGB, Rn. 14; 714 BGB, Rn. 32 ff.).

Insgesamt kann man diesen Kommentar sowohl dem Einsteiger als auch dem erfahrenen Praktiker empfehlen. Aufgrund der Vielfalt der behandelten Gesetze, aber auch aufgrund der intensiven und aktuellen inhaltlichen Durchdringung der einzelnen Rechtsgebiete erhält man nicht nur solides Wissen im Themenkontext, sondern auch Sicherheit in der Detaildiskussion. Wünschenswert wäre meiner Ansicht nach noch ein Kapitel explizit zum Versicherungsrecht (Stichwort: medizinische Notwendigkeit bei Abrechnung mit der privaten Krankenkasse).

Mittwoch, 25. Juli 2012

Rezension Strafrecht: StPO


Meyer-Goßner, Strafprozessordnung, 55. Auflage, C.H. Beck 2012

Von Rechtsreferendar Marcus Heinemann, Dipl.-Verw. (FH), Hamburg

Mit dem Kommentar Meyer-Goßner – StPO in 55. Auflage ist in kürzester Zeit der dritte Standardkommentar neu erschienen, der im zweiten juristischen Staatsexamen als Hilfsmittel zugelassen ist. Zuvor waren seit Mai 2012 die beiden Kommentare Thomas/Putzo – ZPO und Kopp/Schenke – VwGO neu erschienen. Im August wird Kopp/Ramsauer – VwVfG folgen, in vielen Bundesländern ebenfalls als offizielles Hilfsmittel zum zweiten Staatsexamen zugelassen. Für den Rechtsreferendar bedeuten die vielen Neuerscheinungen insofern neben aktueller Kommentarliteratur auch eine kostenträchtige Anschaffungszeit.

Das vorliegende Werk wird von Prof. Dr. Lutz Meyer-Goßner, Vorsitzender Richter am BGH a. D. und Honorarprofessor an der Philipps-Universität Marburg, und Prof. Dr. Bertram Schmitt, Richter am BGH und Honorarprofessor an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, erläutert.

Die Neuauflage berücksichtigt Gesetzgebung, Rechtsprechung und Literatur bis Mitte April 2012, vereinzelt sogar noch später. Hierbei wurden auch bereits noch nicht in Kraft getretene Gesetzesvorhaben wie das „Gesetz zur Stärkung der Pressefreiheit im Straf- und Strafprozessrecht (BT-Drucks. 17/3355) mit Änderungen bei § 97 StPO berücksichtigt. Wie schon bei Kopp/Schenke – VwGO wurde auch im Meyer-Goßner – StPO das Ende 2011 in Kraft getretene Gesetz über den Rechtsschutz bei überlangen Gerichtsverfahren und strafrechtlichen Ermittlungsverfahren (BGBl. I 2011, 2302 ff.) eingearbeitet; die Kommentierungen hierzu finden sich in den neuen §§ 198-201 GVG. Weitere Änderungen finden sich in den §§ 74, 74c, 74f und 76 GVG. Das Änderungsgesetz zur Sicherungsverwahrung aufgrund der Entscheidung des BVerfG (E 128, 326) ist noch nicht verabschiedet und dementsprechend nicht berücksichtigt worden. Aktuell eingearbeitete Rechtsprechungen sind aber insbesondere die BVerfG-Entscheidungen zur Neuregelung strafprozessualer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen (NJW 2012, 833), zur Verwertbarkeit rechtswidrig erhobener personenbezogener Informationen (NJW 2012, 907) und zur Speicherung und Verwendung von Telekommunikationsdaten (NJW 2012, 1419). Schließlich sorgte die Entscheidung des EGMR zum Konfrontationsrecht des Art. 6 Abs. 3 d) MRK (HRRS 2012, Nr. 1) für Aufsehen und musste ebenfalls berücksichtigt werden.

Zum Inhalt und Aufbau ist im Übrigen nicht viel Neues zu berichten: Der Stil ist klassisch schlank gehalten, den Normtexten folgen die Erläuterungen mit gezielten Hervorhebungen und zahlreichen Fundstellen im Fliesstext sowie weitestgehendem Verzicht auf Abkürzungen. Neben den vollständigen Vorschriften der StPO wurden Auszüge des GVG, des EGStPO, des EGStGB, des StrEG, des EGGVG und der MRK kommentiert. Im umfangreichen Anhang finden sich Vorschriftenauszüge der AO, des BZRG, des JGG, des RPflG, des StVollzG, des G 10-Gesetzes sowie der RiStBV und der MiStra in jeweils aktueller Ausgabe. Der Kommentar enthält damit alle Vorschriften, die für die tägliche strafprozessuale Praxis benötigt werden.

Natürlich kommt sowohl der erfahrene Praktiker aus Rechtsanwaltschaft und Justiz wie auch der sich noch in der Ausbildung befindliche Student und Rechtsreferendar nicht um dieses absolute Standardwerk der Spitzenklasse herum, wenn er sich mit strafprozessualen Problemstellungen auseinandersetzen muss! Besonderes Plus ist hierbei neben der straffen Darstellung vor allem die Aktualität, liegt zwischen letzter eigearbeiteter Neuerung und dem Erscheinen des Kommentares doch kaum mehr als ein Monat. Nächstes Jahr im Juni wird es sicher schon die neue 56. Auflage geben.

Montag, 23. Juli 2012

Rezension Strafrecht: OWiG


Göhler, Ordnungswidrigkeitengesetz, 16. Auflage, C.H. Beck 2012

Von RA Sebastian Gutt, Helmstedt
 

Es ist wieder soweit: Der Standardkommentar zum Ordnungswidrigkeitengesetz, der „Göhler“, erscheint in der 16. Auflage in der Reihe „Beck`sche Kurz-Kommentare“. Eigentlich ist es fast nicht mehr erforderlich, viel zum „Göhler“ zu schreiben. Der Kommentar ist seit jeher in der Praxis und im Schrifttum etabliert, ist also DER Kommentar schlechthin. Es kann bereits vorweggenommen werden: Wer sich mit dem Ordnungswidrigkeitenrecht zu befassen hat, kommt um den „Göhler“ nicht herum. Er ist ein Muss!

Was hat sich seit der letzten Auflage getan? Selbstverständlich haben die Bearbeiter Gürtler und Seitz das Werk wieder um die aktuelle Rechtsprechung und Literatur ergänzt, und zwar bis zum Stand 01.01.2012. Wegweisende Entscheidungen hat es in der jüngsten Vergangenheit nicht gegeben, auch wurde das Ordnungswidrigkeitenrecht nicht erneuert. Dennoch hat sich viel getan, gerade im Bereich der StPO, die über § 46 OWiG (größtenteils) auch im Bußgeldverfahren Anwendung findet. In diesem Bereich dürfte wohl mit die wichtigste Neuerung zu finden sein, nämlich dass der „Deal“ nunmehr eine gesetzliche Grundlage findet. Was vielfach in der Praxis untergeht ist, dass der „Deal“ selbstverständlich – wenn auch in etwas „abgespeckter“ Form – auch im Rahmen des Bußgeldverfahrens Anwendung findet. Gerade im Bereich des Verkehrsordnungswidrigkeitenrechts empfiehlt es sich sogar, vor der Hauptverhandlung das mögliche Vorgehen mit dem Gericht abzustimmen, insbesondere wenn es um ein Fahrverbot geht. Seitz weist in seiner Kommentierung zu § 78, dort Rn. 2a, auf einige Grundlagen hin. Wer mehr zum „Deal“ wissen möchte, sollte auf einen StPO-Kommentar zurückgreifen.

Weitere Neuerungen in dem Werk betreffen u.a. Entscheidungen zur „Gefahr im Verzug“, und hiermit einhergehend der Blutentnahme, Stichwort „Richtervorbehalt“, sowie zur Vollstreckung ausländischer Bußgeldbescheide. Das IRG ist im Anhang abgedruckt. Die Kommentierung hierzu findet sich vor § 89, Rn. 14b – 14d wieder.

Gerade im Bereich des Verkehrsrechts ist häufiger Streitpunkt die Entbindung des Betroffenen vom persönlichen Erscheinen in der Hauptverhandlung. § 73 wird ebenfalls von Seitz kommentiert. Die nach wie vor umstrittene Frage, ob der mit Vertretungsvollmacht ausgestattete Verteidiger noch in der Hauptverhandlung einen Entbindungsantrag stellen kann, verneint Seitz mit Bezug auf den Wortlaut des § 74 Abs. 2. Im Übrigen bietet die Kommentierung zur Entbindung einen guten Leitfaden, um sich einen Überblick über die Anforderungen an einen Entbindungsantrag zu verschaffen, bzw. Anhaltspunkte für eine erfolgreiche Rechtsbeschwerde zu finden.

Die Erläuterungen sind durchweg leicht verständlich gestaltet, erfordern nicht zwangsläufig ein Grundverständnis des Ordnungswidrigkeitenrechts. Neueinsteigern kann die Einleitung vor § 1 ans Herz gelegt werden, damit diese sich eine Übersicht über das Rechtsgebiet verschaffen können.

Insgesamt ist der Kommentar sehr übersichtlich gestaltet. Wie üblich in der Reihe „Beck`sche Kurz-Kommentare“ sind Schlüsselwörter, -begriffe oder -sätze „fett“ gedruckt, und fallen dem Leser sofort auf. Entscheidungen und Hinweise auf die Literatur finden sich im Fließtext, darüber hinaus jedoch auch in Fußnoten. Zahlreiche Absätze fördern den Lesefluss.

Auch wenn es ungewöhnlich ist, so findet sich das Fazit eigentlich schon zu Beginn der Rezension wieder. Am „Göhler“ führt kein Weg vorbei. „Kurz und prägnant“, mit diesen Worten bewirbt der Verlag zu Recht einen seiner Klassiker, der auch preislich mit lediglich 69,00 € zu überzeugen weiß.

Dienstag, 17. Juli 2012

Rezension Zivilrecht: Zivilprozessrecht


Oberheim, Zivilprozessrecht für Referendare, 9. Auflage, Vahlen, 2012

Von RA, FA für Sozialrecht und FA für Bau- und Architektenrecht Thomas Stumpf, Pirmasens

Der Oberheim ist eines der besten Bücher zum Zivilprozessrecht für Referendare und dürfte neben dem Anders/Gehle zu den am meisten gelesenen gehören. Lehrbücher sind selbstverständlich auch eine Frage des eigenen Geschmacks und vor allem der persönlichen Arbeitsweise und Themengewichtung. Der Oberheim setzt auf intensive Grundlagenvermittlung und ist dabei dennoch äußerst umfangreich. Grundlagen und Basics sind das, was sitzen muss und was man in der Klausur und bei Prüfungen am ehesten erinnert, vor all den Spezialproblemen, die man noch zusätzlich im Kopf hat. Hier muss man als Prüfling sattelfest sein, nicht zu vergessen, dass man von diesen Grundlagen durch das gesamte weitere Berufsleben getragen wird. Eine Kombination aus Lehrbuch und Fallsammlungen dürfte das sein, was in der Regel am meisten Anwendung findet.

Der Oberheim bietet sehr viel und ist ein Werk, welches zur Begleitung durch das gesamte Referendariat und auch noch den Berufseinstieg bestens geeignet ist. Zu den Vorzügen des Werks gehören die überragende Übersichtlichkeit und der breite Bearbeitungsumfang. Die 580 Seiten werden in nur zwei Teile untergliedert. Teil 1 beinhaltet die Grundbegriffe des Zivilprozessrechts, Teil 2 dient der inhaltlichen Vertiefung der Materie.

Die Begriffe (Prozess, Partei, Gericht, Klage, Verteidigung, Verhandlung, Beweis) werden definiert und umfassend und detailliert erläutert und zum gesamten Prozessrecht in Beziehung gebracht. Die Darstellung ist äußerst gelungen und auf die Bedürfnisse der Lernenden perfekt zugeschnitten. Zahlreiche Musterformulierungen, Beispiele, Hinweise und Anwendungstipps schlagen den Bogen von wissenschaftlicher Theorie zu klausurtechnischer Umsetzung und praktischem Verständnis. Effektiv gestaltete Schaubilder und Übersichten bedienen den visuellen Lerntyp und unterstützen abgestimmt den Fließtext. Teil 1 beinhaltet neben den Grundbegriffen auch die juristischen Arbeitstechniken zur Erarbeitung des Prozessstoffes, d.h. die Sachverhaltsfeststellung, Gutachten- und Urteilsstil und Grundzüge der Relationstechnik. Besonders hervorzuheben ist ein im Volltext abgedrucktes Beispielsurteil, welches Zeile um Zeile in entsprechend durchnummerierten Anmerkungen unter Nennung sämtlicher für ein Urteil relevanter Vorschriften erläutert wird. Findet man so nicht sehr oft in Lehrbüchern. Überhaupt brilliert der Oberheim durch seinen Detailreichtum.

Dies gilt auch für den zweiten Teil des Werks, welcher dann intensiv und dennoch verständlich in die Tiefen des Prozessrechts eingräbt. Das Ziel, an Lernende sinnvoll zur Examensvorbereitung Wissen zu vermitteln, wird stets erreicht und nie aus den Augen verloren. Unzählige Rechtsprechungshinweise und Fundstellen, sowie noch mehr Beispiele und Schaubilder bringen das Wissen gezielt an den Mann/die Frau. Auch Aufbautechniken der Klausuren gehören selbstverständlich zum Bearbeitungstenor des Werks.

Das Buch vermittelt das gesamte examensrelevante Wissen für die zweite juristische Staatsprüfung. Da alles sehr konzentriert auf den Punkt gebracht wird, eignet es sich auch sehr gut zur Vorbereitung auch auf die mündliche Prüfung. Der Oberheim ist uneingeschränkt empfehlenswert, wenn es mit 39,80 € auch nicht ganz billig ist. Das Geld ist hier aber gut angelegt, ein wirklich gutes Lehrbuch.


Samstag, 14. Juli 2012

Rezension Zivilrecht: Filmrecht


Jacobshagen, Filmrecht - Die Verträge, 2. Auflage, PPV Medien 2008

von RA Christian Reckling, Hamburg
 

Das in der zweiten Auflage aus dem Jahre 2008 stammende Werk „Filmrecht – Die Verträge“ des Autors Patrick Jacobshagen listet detailliert und umfangreich Musterverträge auf, welche sich mit den einzelnen Segmenten des Kino- und TV-Geschäfts befassen. In diesem Zusammenhang werden gut strukturiert und in übersichtlicher Weise Vertragsmuster aufgeführt, die alle relevanten Phasen dieses Schaffensprozesses abdecken. So führt der Autor in sachlich angemessener und zutreffender Weise die gängigen Vertragstypen auf, die im Rahmen der Entwicklung, Herstellung und Auswertung von Film- und Fernsehproduktionen auftreten können. So werden etwa ausführliche Informationen zum Drehbuchvertrag bis hin zum Weltvertriebsvertrag gegeben.

Lobend hervorzuheben ist insoweit, dass der Autor vor einigen Vertragsmustern den Sinn und die Gestaltungsmöglichkeit des jeweils aufgeführten Vertragstypus erläutert, um so dem interessierten Leser ein besseres Verständnis über die Bedeutung und den Gehalt der einzelnen Vertragsklauseln zu geben. Durch diese Vorgehensweise ermöglicht der Autor auch dem beruflichen Neueinsteiger eine gut verständliche Orientierung. Eine mögliche interessante Alternative für den Rechtssuchenden besteht überdies darin, dass ergänzend zum Buch, gegen Zahlung eines Aufpreises zum normalen Kaufpreis, alle Musterverträge auch als Datei auf CD-ROM erhältlich sind. Es bleibt insoweit zu hoffen, dass der Autor eine weitere Auflage fertigt, um auch in Zukunft fundiert und stilistisch ansprechend, notwendiges Wissen an interessierte Leser weiter zu geben.

Insgesamt bietet das Werk „Filmrecht – Die Verträge“ eine gut lesbare und systematische Darstellung und Kommentierung wichtiger Vertragsmuster aus dem Bereich Kino und Fernsehen und bietet dem interessierten Leser so eine gute und brauchbare Arbeitshilfe im Bereich der Vertragsgestaltung.

Donnerstag, 12. Juli 2012

Rezension Öffentliches Recht: Makroökonomik

Mankiw, Makroökonomik, 6. Auflage, Schäffer -Poeschel 2011

Von Dipl.-Kffr. Aleksandra Gaus, Hamburg

Bei einem rechtswissenschaftlichen Blog stellt sich die Frage, warum hier ein volkswirtschaftliches Lehrbuch besprochen wird. Schon ein Blick in die Nachrichten macht aber deutlich, dass gerade mit der Euro-Krise die volkswirtschaftlichen Problemstellungen und Lösungsansätze im Fokus stehen. Diese Thematik muss noch nicht speziell den Juristen beschäftigen, allerdings sind Basis aktueller politischer Vereinbarungen immer auch Kodifikationen und allen voran die europarechtlichen Rahmenbedingungen. Sie bestimmen den volkswirtschaftlichen Handlungsrahmen mit, weshalb Juristen über VWL-Kenntnisse verfügen sollten.

Das vorliegende Werk „Makroökonomik“ von Gregory Mankiw ist im Jahre 2011 in der 6. deutschsprachigen Auflage erschienen. Das Originalwerk „Macroeconomics“ war bereits mit der ersten Auflage zur Pflichtlektüre im Studium der Volkswirtschaftslehre geworden. Bei den deutschsprachigen Auflagen wurden den Übersetzungen leichte Anpassungen an deutsche Verhältnisse vom Übersetzer Klaus Dieter John (Professor für Volkswirtschaftslehre an der TU Chemnitz) hinzugefügt. In der heutigen Ausbildung eines jeden Ökonomen handelt es sich bei Mankiws „Makroökonomik“ um ein absolutes Standardwerk und darf nicht zuletzt deshalb schon in der Ausbildung von Rechtswissenschaftlern, die sich für Wirtschaftswissenschaften sowie Wirtschaftsrecht interessieren, nicht fehlen.

„Makroökonomik“ gliedert sich in sechs große Themen sowie einen Epilog auf. Die Texte werden durchgehend von einführenden Fragestellungen, Fallstudien, Infoboxen, zweifarbigen Abbildungen, hilfreichen Hinweisen am Rande sowie Aufgaben zum selbständigen Rekapitulieren der gelesenen Inhalte begleitet. Ferner verfügt das Buch über ein ausgeprägtes Glossar sowie ein Sachregister.

Nach einem einführenden Thema zu Makroökonomik als Wissenschaft und ihren empirischen Beobachtungen auf ca. 50 Seiten, widmet sich das Buch im zweiten Titelthema der klassischen Theorie der Volkswirtschaft bei langfristiger Betrachtung. So werden zunächst u. a. das Bruttoinlandsprodukt (S. 55 ff.) sowie das Zustandekommen von Arbeitslosigkeit (S. 207 ff.) vorgestellt. Das vorliegende Werk bereitet hier den Grundlagenstoff auch für fachfremde Leserinnen und Leser auf eine einfache und verständliche Weise auf.

Das dritte Thema beschäftigt sich mit der Wachstumstheorie und somit ab S. 243 mit der Volkswirtschaft bei sehr langfristiger Betrachtung. Dagegen wird im vierten Thema (ab S. 327) die kurzfristige Betrachtung der Konjunkturtheorie erläutert. Hier ist u. a. das IS/LM Model der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage (S. 365 ff.) zu finden. Dabei handelt es sich um eines der wichtigsten makroökonomischen Modelle, in dem es um das Zusammenwirken von Güter- und Geldmarkt sowie dem Gesamteinkommen bei gegebenem Preisniveau geht. Die neue Auflage beinhaltet im vierten Thema ferner ein wesentliches neues Kapitel und greift somit die aktuellen Weltereignisse auf: Hier wird das „dynamische Modell der Gesamtnachfrage und des Gesamtangebotes“ verständlich aufgearbeitet. Dem interessierten Leser wird neben den komplexen Inhalten das Verständnis für die Entwicklungen in der derzeitigen Forschungslandschaft und bei der Politikanalyse vieler Zentralbanken näher gebracht (S. 519 ff.).

Im fünften Thema werden die Kapitel „Stabilisierungspolitik“ (S. 563 ff.) sowie „Staatsverschuldung und Haushaltsdefizit“ (S. 589 ff.) unter der makroökonomischen Wirtschaftspolitik zusammengefasst. Das sechste Thema schließt mit weiteren Grundlagen der Makroökonomik, wie dem Konsum (S. 623 ff.), den Investitionen (S. 661 ff.) sowie dem Geldangebot, der Geldnachfrage und dem Bankensystem (S. 691 ff.).
Das Buch profitiert in seiner Entwicklung von der Neuauflage. Die Sprache sowie die Darlegung der Inhalte haben mit jeder neuen Auflage an Verständlichkeit und Praxisnähe sowie Aktualität im Tagesgeschehen sowie der Forschungslandschaft gewonnen. Da in diesem Werk die vorgestellten Inhalte von den Grundlagen an auch für Laien gut verständlich dargestellt sind, erfüllt es den Lernzweck sicherlich nicht nur für Studierende der Wirtschaftswissenschaften, sondern auch für Studierende der Rechtswissenschaften – etwa mit dem Schwerpunkt Recht und Wirtschaft – und kann zu diesem Zwecke daher nur empfohlen werden.

Montag, 9. Juli 2012

Rezension Zivilrecht: Betriebskostenrecht

Langenberg, Betriebskosten- und Heizkostenrecht, 6. Auflage, C. H. Beck, 2012

Von RA, FA für Sozialrecht und FA für Bau- und Architektenrecht Thomas Stumpf, Pirmasens

Der Langenberg erschien in der Vorauflage noch unter dem Titel „Betriebskostenrecht der Wohn- und Gewerberaummiete“. Der neue Titel „Betriebskosten- und Heizkostenrecht“ ist nicht nur etwas kürzer, prägnanter und deutlich einprägsamer, sondern diese Umbenennung ist vor allem inhaltlichen und konzeptionellen Änderungen geschuldet. Die Kapitel sind teilweise neu geordnet und auch erweitert worden, der bisher nur als Anhang konzipierte Abschnitt zu den Besonderheiten der Heizkostenabrechnung ist nun als gut 100 Seiten umfassendes, eigenständiges Kapitel eingearbeitet worden. Eine inhaltliche und seitenmäßige Ausdehnung, die sich eben auch im neuen Titel niederschlägt. Selbstverständlich ist das Werk der aktuellen Gesetzeslage und Rechtsprechung angepasst worden.

Das Werk ist im Grunde inhaltlich - nicht formal - in drei Teile untergliedert. Teil 1 (Kapitel A bis J) befasst sich mit den Betriebskosten. Teil 2 besteht aus dem neuen gesonderten Kapitel K zu den Heizkosten und Teil 3 liefert Anhänge. Der erste Teil des Buchs befasst sich zunächst – unter Referenz auf § 556 Abs. 1 Satz 2 BGB und §§ 1 und 2 BetrKV mit dem Begriff der Betriebskosten und den einzelnen Betriebskostenarten (inklusive der „sonstigen Betriebskosten“). Die Darstellung ist umfangreich unter Anführung der jeweiligen gesetzlichen Bestimmungen und Verweis auf die zahlreich in Fußnoten verschobenen Urteile und Fundstellen. Das Niveau eines reinen Ratgebers wird hier deutlich überschritten. Das Werk ist eher für den Rechtsanwender gedacht, also Richter, Anwälte, die Sachbearbeiter der Liegenschaftsämter oder der freien Wohnungswirtschaft. Es folgen zwei ausführliche Kapitel zur Umlage von Betriebskosten. Weitere Kapitel bearbeiten die Ermäßigung von Betriebskosten und ihre Direktabrechnung, sowie die Erhebung von Vorauszahlungen. In einem sehr ausführlichen Abschnitt widmet sich ein eigenes Kapitel dem Umlageschlüssel, wobei hier sehr detailliert auf die einzelnen Betriebskostenarten eingegangen wird. Äußerst umfangreich unter Berücksichtigung der aktuellen Rechtsprechung des BGH enthält Teil 1 drei Kapitel zur Abrechnung von Betriebskosten. Von den formellen Anforderungen an eine korrekte Abrechnung, über die Verjährung und die Insolvenz von Mieter/Vermieter ist hier alles enthalten, um rechtssicher abzurechnen. Der erste Teil schließt mit einem Kapitel zum Betriebskostenprozess und stellt sowohl Klagemöglichkeiten des Vermieters als auch des Mieters vor.

Der aus einem Kapitel bestehende Teil 2 des Buchs befasst sich gesondert mit dem Heizkostenrecht. Von der Begrifflichkeit über die abrechnungsfähigen Heizkosten und den Umlageschlüssel und einer korrekten Abrechnung bis hin zu den Rechten des Mieters wird das Heizkostenrecht en detail anhand der Bestimmungen der Heizkostenverordnung erläutert. Auch in diesem Abschnitt besticht das Werk durch seine umfangreiche Zitierung der Rechtsprechung und liefert somit hohe Rechtssicherheit für den Anwender.

Der letzte Teil besteht aus einem Anhang, der nicht nur Gesetzes- und Verordnungstexte enthält, sondern auch diverse Muster beinhaltet (z.B. Umlagevereinbarungen und Abrechnungen sowohl für Wohn- als auch Gewerberaum). Ein weiteres Plus für die praktische Nutzbarkeit des Werks.

Insgesamt ein sehr umfangreiches und auch anspruchsvolles und dennoch für die praktische Anwendung taugliches und auch empfehlenswertes Buch, welches das Betriebskosten- und Heizkostenrecht in einem Band auf über 600 Seiten umfassend zusammenträgt. Gerade Liegenschaftsämter und Hausverwaltungen werden hiermit gut bedient sein.

Freitag, 6. Juli 2012

Rezension Zivilrecht: WEG


Spielbauer / Then, WEG, 2. Auflage, Erich Schmidt 2012

Von RiAG Dr. Benjamin Krenberger, Landstuhl

Knapp vier Jahre nach der ersten Auflage wurde der Berliner Kommentar zum WEG neu aufgelegt. Damals war der Kommentar eine gelungene Reaktion auf die zum 01.07.2007 in Kraft getretene WEG-Novelle, nun musste die bis dahin erfolgte Rechtsentwicklung und Judikatur erfasst und eingearbeitet werden. Mit Verzeichnissen ist das Werk bald 1200 Seiten stark und ist damit weit mehr als ein Kompaktkommentar. Der Kommentar ist inhaltlich breit aufgestellt und hat als Zielgruppe neben Gerichten und Rechtsanwälten auch Notare und natürlich Wohnungsverwalter. Dies macht sich nicht nur innerhalb der Erläuterungen bemerkbar, sondern auch in der sinnvollen Hinzunahme der punktuellen Kommentierung des GKG und des ZVG.

Die Gestaltung des Kommentars ist sehr gut gelungen, sowohl was den Aufbau der einzelnen Normen angeht, aber auch die verwendeten Elemente, die dem Leser die Lektüre und die Rezeption des Stoffes erleichtern. Gut gegliederte Fließtexte werden von einem separaten Fußnotenregime unterstützt und von sinnvoll eingesetzten fettgedruckten Hervorhebungen ergänzt. Allgemeine Erläuterungen wechseln sich ab mit Definitionen und Aufzählungen von Einzelfällen (z.B. S. 524: Geschäftsordnungsbeschlüsse; S. 415: Zulässige Notmaßnahmen), sodass man eine gesunde Mischung bei der Lektüre vorfindet. Der Rückbezug zur Rechtsprechung ist durch das ganze Werk hindurch einheitlich und auf hohem Niveau gehalten. Sehr gut ist aber auch die Verweisungsdichte innerhalb des Buches, insbesondere deren Kenntlichmachung innerhalb der Kommentierung (z.B. S. 469: Hinweis auf die Besprechung prozessualer Probleme innerhalb des Kommentars), aber auch in den Fußnoten. Hinzu kommen Arbeitshilfen, etwa die Gliederung einer Einzel-Jahresabrechnung (S. 765), ein Muster zu einer kombinierten Jahresabrechnung (S. 828) oder eine Übersicht zur Archivierung von Beschlüssen (S. 589).

Die Erläuterungen selbst ermöglichen dem Leser sowohl eine zusammenhängende, das Verständnis überhaupt erst aufbauende Nutzung des Werks, aber auch das gezielte Nachschlagen von Einzelfragen. Dabei kann sowohl faktisch, materiell-rechtlich als auch prozessual gesondert geforscht werden, denn die Autoren haben in pragmatischer Weise Tatsachenbeschreibungen, rechtliche Erwägungen und verfahrensrechtliche Folgefragen innerhalb der Kommentierungen berücksichtigt, sodass jede Zielgruppe entsprechend wertvolle Informationen erlangen kann.

Innerhalb der Darstellung können die Autoren nicht nur mit der gelungenen Inkorporation von neuen Entscheidungen punkten, siehe nur die Rechtsprechung zum richtigen Beklagten (§ 46 WEG, Rn. 17, Fn. 112) oder die Wichtigkeit des Protokolls der Mitgliederversammlung für die Auslegung von Beschlüssen (§ 23 WEG, Rn. 26, Fn. 197), sondern auch mit Basics des WEG den Leser für sich gewinnen, etwa bei der anschaulichen Erklärung der Betriebskosten im Rahmen des § 16 WEG (S. 345 ff.), bei der Gegenüberstellung von Rechten des Wohnungseigentümers und einschränkenden Vorschriften wie §§ 904 ff. BGB (§ 13 WEG, S. 213 ff.) oder der Zustellung an den Verwalter (§ 45 WEG, S. 947 ff.). Auf diese Weise wird der Kommentar dem eigenen Qualitätsanspruch auch vollends gerecht.

Das WEG-Recht ist kein beliebtes, aber ein problemträchtiges Gebiet der Rechtspraxis, sodass es umso wichtiger ist, mit geeigneter Unterstützung an die auftauchenden Sach- und Rechtsfragen heranzugehen. Dies ist mit dem Berliner Kommentar zum WEG unproblematisch möglich, sowohl für den Erstzugriff als auch als Komplementärwerk. Die Neuauflage ist gelungen und setzt die berechtigte Akzeptanz des Werks bei den Rechtsanwendern seit der Erstauflage fort.

Mittwoch, 4. Juli 2012

Rezension Zivilrecht: Kündigungsrecht


Ascheid / Preis / Schmidt, Kündigungsrecht, Großkommentar zum gesamten Recht der Beendigung von Arbeitsverhältnissen, 4. Auflage, C.H.Beck 2012

Von RRin Domenica D’Ugo, Saarbrücken

Wer den „Ascheid“ in den Händen hält, wird kaum daran zweifeln, dass er einen „Großkommentar“ trägt. Das Werk ist in seiner 4. Auflage nach wie vor eines der gewichtigen Bücher. Und dies ist nicht nur physisch zu verstehen. Zur Einstufung des „Ascheid“ als klassische Standardliteratur und absolutes Muss in jedem Praktikerbüro ist bereits in Alltag und Netz genug gesagt worden, an dieser Wertung muss auch nicht gerüttelt werden. Auf 2578 Seiten zuzüglich 144 Seiten Sachverzeichnis findet man wohl alles, was zur Thematik „Trennung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer“ interessiert. Insofern wird weder der Titel „Kündigungsrecht“ noch der Untertitel „Großkommentar zum gesamten Recht der Beendigung von Arbeitsverhältnissen“ (was das Titelthema schon enorm erweitert) dem tatsächlichen Inhalt gerecht.

Das Buch besteht aus drei Teilen: Den Grundlagen zur Beendigung von Arbeitsverhältnissen, dem Kommentarteil zu den arbeitsrechtlichen Vorschriften und einem Überblick über die sozial- und steuerrechtlichen Aspekte, welchem immerhin auch fast 200 Seiten gewidmet sind. Im arbeitsrechtlichen Teil, von Personen des „who is who“ der deutschen Arbeitsrechtslandschaft bearbeitet, finden sich keinesfalls, wie nach den Titeln eigentlich zu erwarten, nur Ausführungen zu Kündigungen oder sonstigen Beendigungen von Arbeitsverhältnissen, sondern zudem Kommentierungen etwa zum Teilzeit- und Befristungsgesetz. Hierin werden auch diejenigen Vorschriften des TzBfG erläutert, die eigentlich nichts mit dem Auslaufen der befristeten Verträge zu tun haben (so man Ausführungen zu letzterem Punkt überhaupt in einem Buch zum „Kündigungsrecht“ suchen würde). Die klassischen Kündigungsvorschriften, herausragend etwa § 1 des Kündigungsschutzgesetzes mit 878 (!) Randnummern, werden darüber hinaus ebenfalls sehr tiefgehend und detailliert kommentiert. Bemerkenswert ist auch die Aufnahme von Kapiteln in den Kommentarteil, die sich mit Tarifverträgen beschäftigen (TVöD) oder keine Kommentierung von Rechtsvorschriften darstellen. So wird das Thema Aufhebungsvertrag aufsatzähnlich und anschaulich auf 33 Seiten erklärt. Die Grundlagenerläuterung in Teil 1 ist 217 Seiten stark, neben rechtlichen mit politischen, wirtschaftlichen und sozialen Erwägungen und Erklärungen gespickt und sollte zur Pflichtlektüre für alle mit dem Arbeitsrecht arbeitenden Laien erhoben werden, also Betriebsräte, Arbeitgeber, Arbeitnehmer und ggf. auch Gewerkschafter. Viele den Rechtsberatenden und Richtenden – ja, so muss man es leider ausdrücken! - quälende Aussagen und Fragen wären nach Auffassung der Rezensentin damit beantwortet und ließen die Beteiligten sich auf das Richtige und Wesentliche konzentrieren.

Im dritten Teil des Buches kommen Spezialisten des Sozial- und Steuerrechts zu Wort. Dies macht die Lektüre sehr angenehm im Vergleich zu anderen Werken, in denen diese Teile – sofern überhaupt thematisiert – von fachlich eher Unkundigen bearbeitet werden und folglich durch unsichere Ausdrucksweise und teilweise falsche Auskünfte geprägt sind. So weiß der Autor des sozialrechtlichen Teils als Vorsitzender Richter am Hessischen Landessozialgericht beispielsweise natürlich, dass Sperrzeiten i.S.d. § 144 SGB III nicht verhängt werden, sondern von Gesetzes wegen eintreten und vermeidet folgerichtig den Begriff „verhängen“, auch wenn er in den täglichen Sprachgebrauch leider eingegangen ist. Diese vermeintlichen Spitzfindigkeiten machen nicht nur den Unterschied zwischen richtiger und falscher Rechtsbegrifflichkeit, sondern helfen Beteiligten oft auch, das Geschehende besser einzuordnen. Wer als Arbeitnehmer bzw. nunmehr Arbeitssuchender weiß, dass der Sachbearbeiter in der Arbeitsagentur nicht einfach eine Sperrzeit als Sanktion verhängt, sondern dass diese Rechtsfolge bei Vorliegen der Voraussetzungen von Rechts wegen quasi automatisch eintritt, kann dem Gegenüber doch ganz anders begegnen. Eine solche Detailgenauigkeit kann den in der Regel im Sozialrecht unkundigen Arbeitsrechtspraktiker auf die ordentliche Recherche der weiteren Aussagen dieses Buchteils vertrauen lassen. Gleiches gilt für den steuerrechtlichen Teil, der von einem Finanzrichter bearbeitet wurde. Hier finden sich interessante generelle Aussagen zur Besteuerung von Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit. Das Hauptaugenmerk liegt aber auf dem für das Thema des Buches relevanten Bereich der Abfindungen und ähnlicher Entschädigungszahlungen und deren steuerlichen Behandlung.

Die nunmehr vorliegende 4. Auflage ist zum Rechtsstand 1. Oktober 2011 aktualisiert. Berücksichtigung haben dabei ausweislich des Klappentextes unter anderem die neue bzw. weiterentwickelte Rechtsprechung zu Bagatellkündigungen (Stichwort Emmely), Massenentlassungen und Bildung von Altersgruppen bei der Sozialauswahl gefunden. Auch die neuen Sonderkündigungsschutzvorschriften für Datenschutz- und Compliancebeauftragte werden erläutert. Hinzu kommt eine Auswahl von Rechtsprechung auf europäischer Ebene, etwa zu § 622 Absatz 2 Satz 2 BGB (Kündigungsfristberechnung bei jungen Arbeitnehmern).

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Werk trotz des deutlich dreistelligen Preises (229 Euro) diese Investition absolut wert ist. Kleinere Aktualisierungspannen (nach dem Autorenverzeichnis ist der für das Sachverzeichnis zuständige Autor beim nicht mehr existierenden Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit eingesetzt, tatsächlich aber wohl derzeit Richter an einem Arbeitsgericht; und die Abkürzung „AA“ soll noch für Arbeitsamt, nicht Arbeitsagentur stehen) dürfen nicht nur, sondern sollten hierbei übersehen werden, betreffen sie doch kleinste und eher unwichtige Details.

Montag, 2. Juli 2012

Rezension Strafrecht: Revision


Russack, Die Revision in der strafrechtlichen Assessorklausur, C.F. Müller, 7. Auflage 2012

Von Ref. iur. Dr. Bastian Kiehn, Hamburg

Die Revisionsklausur gehört mittlerweile in fast allen Bundesländern zum festen Bestandteil der Klausuren im zweiten juristischen Staatsexamen. Eine Auseinandersetzung mit diesem Klausurtyp sollte daher für jeden Examenskandidaten ein zwingender Bestandteil der Prüfungsvorbereitung sein. In Anbetracht der ohnehin knapp bemessenen Examensvorbereitungszeit, sollte schon vor der erstmaligen Beschäftigung mit der Revisionsklausur eine gezielte Literaturauswahl erfolgen. Ein „Klassiker“ auf diesem Gebiet ist der „Russack“, welcher nunmehr in der 7. Auflage erschienen ist.

Das Werk gliedert sich – entsprechend dem Aufbau der Revisionsklausur im Assessorexamen – in vier Teile. Nach einem Grundlagenteil wird zunächst die Zulässigkeit der Revision in Strafsachen dargestellt. Hier enthält das Werk Ausführungen zu den zwingenden Prüfungspunkten im Rahmen der Zulässigkeitsstation, wie z.B. der Statthaftigkeit, der Rechtsmittelbefugnis oder auch der Beschwer. Daran anschließend folgt die Darstellung der Begründetheit der Revision. Hierbei werden die auftretenden Prüfungspunkte „Verfahrensvoraussetzungen“, „verfahrensrechtliche Gesetzesverletzungen“ und „sachlichrechtlichen Gesetzesverletzungen“ erläutert. Das Buch endet mit den „Zweckmäßigkeitserwägungen“ und einer Darstellung zu den Revisionsanträgen.

Hervorzuheben ist zunächst der Aufbau des Buches. Es ist kein reines Lehrbuch des Revisionsrechts, sondern zielt auf die komprimierte Darstellung des für die erfolgreiche Anfertigung einer Revisionsklausur notwendigen Wissens. Hierzu gehört nicht nur die Anleitung, wie eine Revisionsklausur aufgebaut werden muss. Nach Verlagsangaben wurden für die Erstellung des Buches auch „ca. 90 Original-Examensklausuren zur Revision seit 1994 lückenlos“ ausgewertet. Im Vergleich zur Vorauflage aus dem Jahre 2010 sind hierbei zusätzlich weitere neun Klausuren hinzugekommen. Dies zeigt, dass das Werk gezielt auf die Examensklausuren vorbereiten soll und nicht bloß eine von der Klausur losgelöste theoretische Darstellung des Revisionsrechts enthält. Ferner wird dies darin deutlich, dass Probleme, welcher in einer Revisionsklausur auftauchen können, in dem Werk nicht abstrakt und losgelöst sondern an den jeweiligen Stellen im „Prüfungsschema“ dargestellt werden, an denen sie in der Klausurbearbeitung relevant werden können (so werden z.B. die Probleme im Zusammenhang mit möglichen Beweisverwertungsverboten innerhalb der „Begründetheit“ im Rahmen der „relativen Revisionsgründe“ dargestellt, vgl. S. 68 ff.). Eine besondere „Lernmotivation“ bilden die an vielen Stellen des Buches auftauchenden Hinweise auf bereits gelaufene Examensklausuren, mit denen dem Leser verdeutlicht wird, dass die dargestellten Probleme tatsächlich einmal einen Klausurgegenstand gebildet haben (vgl. nur die Ausführungen zur Abwesenheit des Angeklagten in der Hauptverhandlung und die dazu gebildeten Klausurfälle, S. 48 ff.).

Ein weiterer „Pluspunkt“ ist der Umfang des Buches: Mit knapp 170 Seiten ist es möglich, das Werk neben der anfallenden Stationsarbeit zügig durchzuarbeiten. Dieser Aspekt in Kombination mit der gezielten Ausrichtung auf die revisionsrechtliche Examensklausur macht es zu einem optimalen Vorbereitungslehrbuch im Hinblick auf das zweite Staatsexamen und sollte daher von jedem Referendar bei der Literatursuche in die engere Auswahl gezogen werden.