Sonntag, 30. November 2014

Rezension Strafrecht: Studienkommentar StGB


Joecks, Studienkommentar StGB, 11. Auflage, C.H. Beck 2014

Von Richter am Amtsgericht Carsten Krumm, Lüdinghausen


Vor genau drei Jahren hatte ich das Vergnügen, den von Joecks verfassten Studienkommentar StPO rezensieren zu dürfen. Der hatte mir damals sehr gut gefallen. Nun ist also der Studienkommentar StGB an der Reihe, der von der Aufmachung her ähnlich ist. Zunächst stellt sich schon die Frage, warum es eines Studienkommentars bedarf, wenn es doch einerseits mittlerweile gut strukturierte StGB-Lehrbücher in großer Zahl gibt und zudem auch die Kommentarlandschaft im StGB-Bereich deutlich gewachsen ist. Diese Frage erübrigt sich schon bei einem groben ersten Blick in das Buch. Auf etwa 860 Seiten findet sich eigentlich alles, was ein Student im Laufe seines Studiums sich an Wissen „draufschaffen“ muss – strukturiert ist dieses Wissen aber kommentarmäßig. Das Buch ist also eine Synthese aus Kommentar und Lehrbuch – mir gefällt diese Herangehensweise an das Strafrecht sehr gut.

Zunächst zur Aufmachung: Das Buch ist tatsächlich genauso wie ein Kommentar strukturiert, also nach Paragraphen sortiert. Die Buchseiten sind aber großformatig wie in einem Lehrbuch. Die Kommentierungen sind sämtlich mit Zwischenüberschriften versehen und enthalten Fettungen von wichtigen Stichwörtern, so dass das Nachforschen durch Überfliegen der Texte gut möglich ist. Literatur und Rechtsprechungsnachweise sind vorhanden, jedoch nur in eingeschränktem Maß. In der Regel werden Standardkommentare, wie etwa der Systematische Kommentar, Lackner/Kühl oder der Münchener Kommentar zitiert – weiterlesen zur Wissensvertiefung ist so ohne weiteres möglich, ohne dass der Text durch ein Überladen an Fundstellennachweisen allzu schwer lesbar wird. Wenn Zitate oder Beispiele aus der Rechtsprechung angeführt werden, dann sind dies vorwiegend Entscheidungen des BGH. Wie auch in anderen Kommentaren finden sich vereinzelt Vorbemerkungen, diese sind aber deutlich sparsamer verteilt, als vor allem in den Standardkommentaren. Es kommt also eigentlich nicht vor, dass man in der Kommentierung der aufgesuchten Norm etwas sucht, was man dann nach viel Hin und Her in einer Vorbemerkung findet. Alle Kommentierungen weisen dann noch darauf hin, welche der Vorschriften Pflichtstoff in welchem Bundesland ist. Studenten werden sich hierüber freuen – natürlich sollten sie sich auch wenigstens in Grundzügen mit den wichtigsten weiteren Normen auseinander setzen. Was dann noch ins Auge sticht, sind viele in etwas kleinerer Schriftgröße eingerückte Beispielsfälle, ganz so, wie man es in guten Lehrbüchern erwartet. Der Kommentar ist somit ein sehr gutes Lehr- und Lernmittel.

Inhaltlich ist die Kommentierung aktuell und hochwertig – dies zeigt, warum sich das Buch nunmehr in 11. Auflage neben starker Lehrbuch- und Kommentarkonkurrenz behaupten kann.

Das Besondere an den Kommentierungen ist, dass diese – soweit möglich – so aufgebaut sind, wie eine gutachterliche Prüfung in Klausur und Hausarbeit an die Norm herangehen würde. Für Studenten also lohnenswert.

Probehalber habe ich einmal tiefer in zwei Kommentierungen hineingeschaut. Zunächst in § 25 StGB. 23 Seiten stark sind hier die Erläuterungen zur Täterschaft. Erwartungsgemäß wird zunächst die Abgrenzung von Täterschaft und Teilnahme dargestellt. Insbesondere Roxins Klassiker „Täterschaft und Teilnahme“ darf hier nicht fehlen. Joecks stellt dazu dann noch verschiedene Aufbauschemata für den Klausurfall vor; diese Herangehensweise ist sehr angenehm, zumal der Autor an keiner Stelle dem Leser seine Meinung aufdrücken möchte. Systematisch korrekt werden im Anschluss zunächst die unmittelbare Täterschaft und dann ausführlich die mittelbare Täterschaft erörtert. Selbstverständlich werden hier auch Klassiker wie etwa der Katzenkönigfall dargestellt. Schließlich widmet sich Joecks auch der Mittäterschaft, die er dem Leser in allen klausurrelevanten Verästelungen nahebringt. Auch werden noch Sonderkonstellationen wie etwa Versuch und Rücktritt, Täterschaftsfragen bei Fahrlässigkeitsdelikten oder Irrtumsfragen im Hinblick auf die Täterschaft erörtert. Das notwendige strafrechtliche Handwerkszeug für das erste Staatsexamen hat man damit sicher zur Hand.

Im BT-Bereich habe ich mich näher mit dem fast 35 Seiten fassenden § 263 StGB befasst, also einem Klausur- und Prüfungsklassiker. Hier finden sich zunächst allgemeine Erläuterungen über die Bedeutung und die Historie der Vorschrift. Interessant ist dann ein ganz untypischer Punkt im Anschluss, der sich mit der Frage befasst, welche Normen denn noch in Betracht kommen in Betrugsfällen. Joecks geht hier etwa auf den Computerbetrug oder die Unterschlagung ein. Sodann wird nach kurzer Darstellung des Aufbaus der Deliktsprüfung in der Klausurbearbeitung die Norm mit ihren Voraussetzungen ausführlich erläutert. Typische Fallgruppen, wie der Dreiecksbetrug, die bewusste Selbstschädigung und natürlich der Eingehungsbetrug werden eingehend einschließlich der hierzu vertretenen Meinungen dargestellt. Die Darstellungen sind selbst für langjährige Praktiker sehr erhellend und sehr angenehm zu lesen, da sich Joecks tatsächlich Mühe gibt, eher zu erklären, als mit zahllosen Zitaten der Rechtsprechung Einzelfälle abzuarbeiten. Schließlich wendet sich der Autor dann richtigerweise auch den besonders schweren Fällen zu. Wer danach immer noch unsicher ist, findet am Ende der Kommentierung noch weiterführende Literaturstellen angegeben.

Jeder Student/Referendar, der StGB-Grundwissen erwerben will, und nicht wie üblich AT- und BT-Bücher und Skripten kaufen will, sollte sich daher durchaus überlegen, ob er tatsächlich sein Geld nicht sinnvoller in den Kommentar von Joecks investiert und anhand einiger Praxisfälle in Ausbildungszeitschriften mit Hilfe des Kommentars das Strafrecht „von der Pike auf“ lernen will. Für konventionell lernende Studenten – die sicher die Mehrheit der potentiellen Kundschaft darstellen - ist das Buch freilich ebenso als durchaus sinnvolle Ergänzung zu anderem Lernmaterial zu empfehlen. Einziger Wermutstropfen: Vorschriften, die nicht kommentiert sind, sind nicht einmal als Normen abgedruckt. Dies gilt insbesondere für Rechtsfolgevorschriften wie §§ 38 bis 51 und 56 bis 76a StGB. Auch Strafantrags- und Verjährungsvorschriften fehlen. Hier sollte m.E. klar nachgearbeitet werden und zumindest in kleinerer Schrift je ein „Paragrapheneinschub“ her, damit das Buch auch noch nach der Studienzeit als Referendar genutzt werden kann oder auch in besonderen Ausbildungsabschnitten mit Praxisbezug. Zudem wird vielleicht auch ein ganz normaler Student sich einmal im Laufe der Buchlektüre fragen, wie es um eine der fehlenden Vorschriften bestellt ist. Hier muss dann ergänzendes Lernmaterial her - schade. Trotzdem: Klare Kaufempfehlung und zwar nicht zuletzt angesichts des moderaten Preises von nicht einmal 30 Euro.

Samstag, 29. November 2014

Rezension Strafrecht: RVG in Straf- und Bußgeldsachen


Burhoff, RVG in Straf- und Bußgeldsachen, 4. Auflage, ZAP 2014

Von RiAG Dr. Benjamin Krenberger, Landstuhl


Knapp drei Jahre seit der Vorauflage sind vergangen und nun kann sich der Leser über die aktualisierte Neuauflage des Kommentars zum RVG in Straf- und Bußgeldsachen freuen. Die Bearbeiter Burhoff, Schmidt und Volpert bieten dem Nutzer die Gewähr für präzise, aktuelle und streng an der Sache orientierte Kommentierungen, die für die Praxis gemacht sind, aber gleichzeitig noch in der Ausführlichkeit eines Handbuchs aufbereitet werden. Das Buch hat den Stand Mai 2014 und ist im Umfang leicht reduziert worden auf 2000 Seiten inklusive der Verzeichnisse.

Der Aufbau des Kommentars ist auf den ersten Blick ungewöhnlich und enthält als Teil A ein Vergütungs-ABC. Dort werden zu zahlreichen Stichworten auf über 660 Seiten Informationen vermittelt, Hinweise gegeben, Mustervorschläge gemacht und Berechnungsbeispiele gegeben. All dies hätte man auch in eine „gewöhnliche“ Kommentierung des RVG verpacken können, aber auf diese Weise kann man sich durch assoziatives Herangehen an einen Stichpunkt eine Art Wissensnetz schaffen, auf das man später wesentlich leichter zurückgreifen kann, als wenn man nur in einzelnen Normen stöbern könnte. Exemplarisch kann dies für immer wiederkehrende Streitfragen aufgegriffen werden, etwa wann es sich um eine oder mehrere gebührenrechtliche Angelegenheiten handelt (S. 25 ff.) oder in welchen Fällen die Aktenversendungspauschale geschuldet ist (S. 286 ff.). Natürlich könnte man auch innerhalb einer reinen Kommentierung fündig werden, aber so ist man mit einem Problem im Gesamtkontext konfrontiert und kann daraus wichtige Rückschlüsse für den Einzelfall ziehen.

Zugleich wird im Vergütungs-ABC auf die spätere Kommentierung verwiesen, sodass man nicht jede Detailfrage vorab klären muss, gut zu sehen bei der Erläuterung der gebührenrechtlichen Folgen der Verfahrensverbindung, wo bezüglich der Auswirkung z.B. auf die Grundgebühr die spätere Kommentierung benannt wird (S. 545). Generell kann man zu den Stichworten auch lobend hervorheben, dass Grundlagen- und Detailwissen sinnvoll und praktisch verknüpft wird. Bei den „Auslagen aus der Staatskasse“ findet man sowohl Einzelheiten zur Dokumentenpauschale als auch zur Bedeutung der Beiordnung zu den Bedingungen des ortsansässigen Anwalts (S. 77). Zur „Beratungshilfe“ kann man sich allgemein, aber auch konkret zu Neuerungen wie der nun geregelten Ausschlussfrist informieren (S. 121), beim „Gegenstandswert“ (S. 252 ff.) erhält man fast einen kleinen Besinnungsaufsatz zur Thematik.

Die nachfolgende Kommentierung einzelner Normen nutzt sogar Schaubilder zur Entzerrung der durchaus komplexen Gebührenvorschriften (§ 52 RVG, Pflichtverteidigervergütung). Auch hier kann der Leser zum Teil lehrbuchgleich zunächst allgemeine Erkenntnisse gewinnen, so in der Einleitung zu den Gebührenvorschriften Teil 4 zum System der Rechtsanwaltsvergütung in Strafsachen an sich oder in der Einleitung zu Teil 5 zur Gebührenbemessung im straßenverkehrsrechtlichen OWi-Verfahren. Dazu kommen, wie bereits oben geschildert, detailliert ausgearbeitete Einzelfragen, vor allem zu den Nrn. 7000 ff. VV RVG, aber auch in variantenreicher Aufbereitung zur Entstehung der Gebühr bei Entbehrlichkeit der Hauptverhandlung durch Mitwirkung des Verteidigers, z.B. bei der Rücknahme des Einspruchs gegen den Strafbefehl oder gegen den Bußgeldbescheid.

Persönlich schätze ich an diesem Kommentar seit je her die Darstellung zur Rahmengebühr (S. 403 ff. und 1306 ff.) samt den Argumenten für und gegen eine Erhöhung der Pauschale im Bereich des Ermessens des Verteidigers: hier wird unter Nennung einer Vielzahl von Fundstellen ein breites Spektrum an Meinungen abgebildet, ohne dabei verteidigerlastig stets die Erhöhung zu fordern.

Im Anschluss an den Kommentarbereich kann man dann noch in einer tabellarischen Übersicht zur Rechtsprechung zu den Teilen 4-7 VV RVG schmökern. Dies ist ein weiterer positiv abrundender Baustein des Kommentars, ebenso wie die umfangreichen Sachverzeichnisse und die beigefügte CD-ROM mit Datenbank- und Suchfunktion zu Mustern und Urteilen, die im Buch vorhanden sind.

Der Kommentar überzeugt mit seiner spezialisierten Ausrichtung, Ausführlichkeit und Benutzerfreundlichkeit. Man benötigt zwar eine kurze Einarbeitungszeit, um mit der Systematik zurecht zu kommen, aber danach kann man mit diesem Werk im Alltag wunderbar arbeiten und insbesondere für Detailfragen lösungsorientiert darauf zurückgreifen.

Freitag, 28. November 2014

Rezension Öffentliches Recht: Recht im Studium der Sozialen Arbeit


Böckh, Recht im Studium der Sozialen Arbeit, 1. Auflage, Boorberg 2014

Von RA, FA für Sozialrecht und FA für Bau- und Architektenrecht Thomas Stumpf, Lehrbeauftragter FH Öffentliche Verwaltung Mayen (Rheinland-Pfalz), Pirmasens


Dieses schmalbündige Werk von Prof. Dr. Fritz Böckh wendet sich mit seinen 112 Seiten an eine sehr spezielle Zielgruppe, nämlich Studierende der Bachelor-/Masterstudiengänge der Berufe der Sozialen Arbeit, sprich hauptsächlich Sozialpädagogen und Sozialarbeiter. Es handelt sich um eine kleine Fallsammlung zu den wichtigsten und geläufigsten Rechtsmodulen, die von den Studierenden dieser Zweige zu absolvieren sind. Das Ganze ist als Lernbuch zum eigenständigen Üben von Klausuren und Rechtsanwendung am Fall konzipiert, d. h. geliefert wird jeweils ein Sachverhalt mit zugehöriger Fragestellung mit anschließendem Lösungsvorschlag. Letzterer ist vollwertig ausformuliert und (zumindest überwiegend) im Gutachtenstil gehalten. Umfang und Schwierigkeitsgrad der Fälle variieren und sind auf Niveau und Anforderungen der hier speziell angesprochenen Zielgruppe ausgelegt. Für Studierende der Rechtswissenschaften im Hauptstudiengang eignet sich dieses Buch sicherlich nicht, darauf sei ausdrücklich hingewiesen. Für solche ist es aber auch nicht gedacht.

Thematisch deckt die Fallsammlung die Module Allgemeines Zivilrecht, Familienrecht, Kinder- und Jugendhilferecht,  Allgemeines Sozialverwaltungsverfahren, Sozialrecht und schließlich das Strafrecht mit jeweils 5 Fällen zu jedem dieser Gebiete ab, und kommt somit folglich auf insgesamt 30 Fälle. Beim Allgemeinen Zivilrecht befasst sich der Autor viermal ausschließlich mit materiell-rechtlichen Fragen aus dem BGB und fügt einen Fall aus dem äußerst praxisrelevanten Bereich der Beratungs- und Prozesskostenhilfe bei. Das Familienrecht befasst sich ausschließlich mit dem BGB, und zwar zu den virulenten Bereichen eheliches Güterrecht, Scheidung, Zugewinn, Unterhalt und elterliche Sorge. Der Bereich KJHG befasst sich mit wichtigen Regelungen des SGB VIII, wie etwa der Inobhutnahme. Beim Allgemeinen Sozialverwaltungsrecht drehen sich die Fälle um das Verwaltungsverfahren und die Mitwirkungspflichten, sowie das Widerspruchsverfahren und die hierzu gehörigen Rechtsmittel. Dies umfasst auch die Prüfung von Zulässigkeit und Begründetheit einer verwaltungsgerichtlichen Klage. Die fünf Fälle zum Sozialrecht bieten einen Querschnitt durch die gängigsten materiellen Rechtsgebiete wie Krankenversicherung, Unfallversicherung, Arbeitsförderung, Arbeitslosengeld I und II. Zu letzterem gibt es einen gesonderten Fall zur Frage der Einkommensanrechnung mit konkreter Berechnung. Die fünf Fälle zum Strafrecht befassen sich schließlich mit dem Thema der Garantenstellung, Sterbehilfe, Einwilligung, Schweigepflichtverstößen, Sozialbetrug und den Anwendungsbereich des Jugendstrafrechts und der Jugendgerichtshilfe. Somit trägt der Autor einen gut ausgesuchten Reigen an wichtigen Konstellationen zusammen, der es den Studierenden ermöglicht, sich gezielt auf die Lerninhalte und vor allem das Bearbeiten und Lösen von Klausuren vorzubereiten. So kann man im Eigenstudium die klausurpraktische Anwendung des angelernten Stoffes und das überlebenswichtige Zeitmanagement in der Klausursituation zugleich üben. Nicht vergessen, das hier ist ein Lern- und Übungsbuch, kein Lehrbuch und kein Grundkurs im Recht der Sozialen Arbeit.  Rechtsprechungs-  und vertiefende Literaturhinweise finden sich daher in nur geringerem Umfang, dürften jedoch auch ausreichend sein. Die Akzente der Fallsammlung sind gut gesetzt und die Aufbereitung studentenfreundlich umgesetzt, was der langjährigen Erfahrung des Autors als Prüfer und Dozent zum Themengebiet geschuldet ist. Das Werk kann zudem (auch auszugsweise) als E-Book bezogen werden.

Donnerstag, 27. November 2014

Rezension Zivilrecht: GmbHG


Baumbach  / Hueck (Hrsg.), GmbHG, 20. Auflage, C.H. Beck 2013

Von David Eckner, LL.M. (King’s College London), Düsseldorf


Das GmbHG ist zweifellos eines der wirtschaftsrechtlichen Gesetze in der Bundesrepublik Deutschland, das sich einer bemerkenswerten Faszination in Wissenschaft und Praxis ausgesetzt sieht. Schon in 2010 zählte man sechszehn Kommentare für die wenigen Normen (vgl. etwa Unternehmensrechtliche Notizen, http://notizen.duslaw.de/uber-ein-dutzend-gmbhg-kommentare-2/). Das Faszinosum GmbHG setzt sich fröhlich fort, durch Neubearbeitungen, Neuauflagen und weiteres Meinungsbildschaffen in Kommentaren, Handbüchern und Formularhilfen. Während die Vielfalt der Kommentierungen der Rechtswissenschaft eine vermeintliche Freude bereitet, rückt in der Praxis hier und dort Verzweiflung in den Vordergrund: als eine Vorbereitungshandlung für die eigentliche Bewältigung des gesellschaftsrechtlichen Problems tritt die Selektion der de facto geeigneten Arbeitshilfe hinzu. Über den Sachverhalt will nicht beschieden werden, bevor nicht der „richtige“ Kommentar zu Rate gezogen wurde. Welcher ist aber nur der „richtige“ Kommentar?

In aller Kürze kann diese Frage in einer Rezension nicht beantwortet werden. Zudem ist eine Negativliste kaum denkbar, kommt doch der Bestand der GmbHG-Kommentierungen wie ein Schaulaufen der deutschen Gesellschaftsrechtsexperten daher. Für diese Rezension kann nur eines festgestellt werden und das in Retrospektive bereits seit dem Erscheinen der ersten Auflage unter Herausgeberschaft von Adolf Baumbach im Jahre 1937: der „Baumbach/Hueck“ ist ein Klassiker, ein Standardwerk, ein Wegbereiter und -begleiter für das GmbH-Recht.

Nach über siebzig Jahren liegt mit der zwanzigsten Auflage nunmehr eine auf den Stand von Oktober 2012 gesetzte Kommentierung des GmbHG vor. Die Stetigkeit, Prägnanz und inhaltliche Tragweite der Kommentierung ist nicht nur der Dauerhaftigkeit der Überarbeitungen zu danken, sondern vor allem dem Bearbeiterbestand. Die zwanzigste Auflage wurde nunmehr in der gewohnten Ausführlich- und Stichhaltigkeit besprochen von Prof. Dr. Ulrich Noack und Dr. Michael Beurskens (beide Universität Düsseldorf), Prof. Dr. Lorenz Fastrich (Universität München), Prof. Dr. Ulrich Haas (Universität Zürich) sowie Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Zöllner (Universität Tübingen). Obschon der mehr als 2300 Seiten starken Kommentierung passt der „Baumbach/Hueck“ in jede Aktentasche. Seine Handlichkeit trägt nicht ansatzweise zur inhaltlichen Vernachlässigung bei – mitnichten, für den „Baumbach/Hueck“ gilt „jeder Satz ein Treffer“, kein Wort zu viel, kein Gedanke verschwommen oder aufgequollen. Der GmbHG-Kommentar aus der Beck’schen Kurzkommentarreihe ist der „Palandt des Gesellschaftsrechts“, für einen Gesellschaftsrechtler eine unverzichtbare Quelle, gleichgültig, ob man die Wissenschaft oder Praxis seine inhaltliche Mitte nennt.

Mittwoch, 26. November 2014

Rezension Strafrecht: Umweltstrafrecht


Kloepfer / Heger, Umweltstrafrecht, 3. Auflage, C.H. Beck 2014

Von RA, FA für Verkehrsrecht Sebastian Gutt, Helmstedt


Hat man im Studium und Referendariat in der Regel wenig mit dem Umweltstrafrecht zu tun, begegnet es einem in der Praxis durchaus öfter. Grund genug, sich auch in diesem Bereich durch Lektüre eines Buches weiter zu bilden.

Ich habe in der letzten Zeit tatsächlich häufiger in Umweltstrafsachen verteidigen müssen und war deshalb auf der Suche nach einem Buch, dass mir das Umweltstrafrecht kurz, knapp und für die Praxis geeignet näher bringt. Hierbei bin ich auf das vorliegende Werk aus der Reihe „NJW Praxis“ gestoßen, welches das Rechtsgebiet auf 167 Seiten dem Leser darstellt. Das Werk wendet sich vornehmlich an Praktiker, vor allem Rechtsanwälte, Staatsanwälte und Richter, eignet sich aus meiner Sicht aber auch sehr gut für Studierende, die beispielsweise als Schwerpunkt „Umweltrecht“ oder „Strafrecht“ gewählt haben. Zwar ist das Buch in der Reihe „NJW Praxis“ geschrieben, die Autoren haben es jedoch – was keinesfalls negativ gemeint ist – lehrbuchartig verfasst.

Die Autoren sind beide ordentliche Professoren an der Humboldt-Universität zu Berlin. Heger ersetzt seit der 3. Auflage Vierhaus.

Seit der Vorauflage waren 12 Jahre vergangen. Grund genug also für eine Neuauflage, da auch im Bereich des Umweltstrafrechts die Rechtsprechung neuere Entscheidungen gefällt hat.

Das Buch setzt sich aus insgesamt sechs Teilen zusammen. Nach einer Einführung erläutern die Autoren den Allgemeinen Teil. Hier geht es u.a. um die Fahrlässigkeits-  und Versuchsstrafbarkeit. Es versteht sich von selbst, dass hier der Blickpunkt auf das Umweltstrafrecht gerichtet ist, z.B. als Folge der Pflichtwidrigkeit die Wasserqualität negativ verändert wurde (§ 324 Abs. 3 StGB).

Kernstück, schon alleine vom Umfang, ist aber der dritte, nämlich der Besondere Teil. In einer angenehmen und gut lesbaren Art und Weise erklären die Autoren etwa das Bodenschutzstrafrecht oder das Abfallstrafrecht. Jeweils wird der Tatbestand besprochen, hier vor allem das Tatobjekt (z.B. „Boden“ gem. § 324a StGB) sowie die Tathandlungen (beispielshalber „Befördern“ gem. § 326 Abs. StGB). Knapp aber sehr präzise führen die Autoren durch die einzelnen Delikte.

Für mich als Praktiker von Interesse war auch der 4. Teil, in dem es um strafprozessuale Probleme von Umweltstrafsachen geht. Hier gefielen mir insbesondere die Ausführungen zur Einstellung (Rn. 406 ff.) gut.

Insgesamt hat mich dieses kurze Buch zum Umweltstrafrecht überzeugt. Es bietet eine sehr gute Möglichkeit, sich in das Rechtsgebiet einzuarbeiten, hat mir bei der Bearbeitung meiner einschlägigen Mandate auch stets geholfen. Aus diesem Grund spreche ich eine klare Kaufempfehlung für diejenigen aus, die sich in einer vergleichbaren Situation wie ich befinden. Praktiker (und Studenten), die schon über ein größeres Wissen verfügen, werden wohl auf umfangreichere Bücher zurückgreifen.