Sonntag, 4. Dezember 2016

Rezension: Anwaltsunternehmen führen

Heussen, Anwaltsunternehmen führen, 3. Auflage, C.H. Beck 2016

Von Rechtsanwältin Marion Andrae, Saarbrücken



Die neu bearbeitete und erweiterte dritte Auflage des Werkes wendet sich nicht nur an größere Kanzleien, sondern insbesondere auch an kleinere Sozietäten und Einzelanwälte. Jede Kanzlei ist ein Anwaltsunternehmen. Der Anwalt, der für fremde Interessen kämpft, muss erkennen, dass er auch Unternehmer ist und sein Handeln entsprechend ausrichten. Das Buch zeigt auf, dass ein Anwaltsunternehmen nur bestehen und wachsen kann, wenn auch Grundregeln des Managements beachtet werden. Der Autor verfügt über eine langjährige Erfahrung auf dem Gebiet des Anwaltsmanagement, er ist Partner einer überörtlichen Anwaltssozietät und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Kanzleimanagement im DAV.

In 14 Kapiteln beschreibt das Werk die Grundregeln des Kanzleimanagements anhand zahlreicher Beispiele, Checklisten und Übersichten. Die für einen Juristen sperrig anmutende Materie wird dem Leser sprachlich verständlich, an vielen Stellen sogar sehr humorvoll und unterhaltsam vermittelt. Der Autor gibt Einblicke in seine langjährige Berufserfahrung und verwendet eine oft bildhafte Sprache, die sehr eingängig ist. Das kompakte Werk gibt zahlreiche praktische Anregungen und Denkanstöße zur Umsetzung in der eigenen Kanzlei. Der Autor hebt hervor, dass nicht nur die eigentliche Mandatsarbeit des Anwalts, sondern auch das Kanzleimanagement außerordentlich stark von der Persönlichkeit des Anwalts bestimmt wird. Er unterscheidet vier Grundtypen, den Finder, Minder, Grinder und Binder. Abhängig vom Persönlichkeitsprofil unterteilt der Autor die Unternehmensstruktur dann in der Folge in Jäger, Gärtner und Sammler. Das Werk beschreibt 16 Segmente der Gesamtorganisation, die tatsächlichen und rechtlichen Strukturen Kanzleiorganisation, Finanzfragen und die Gewinn- und Kostenverteilung.

Weiter beschreibt das Buch das Personalmanagement und wie der Anwalt Mandanten finden und Märkte entwickeln kann. Dabei gibt der Autor auch Argumentationshilfen gegenüber dem Mandanten für ein angemessenes Honorar und wie mit Konflikten mit Mandanten umzugehen ist. Der Leser erfährt, wo und warum er handeln muss, was zu tun ist, welche Ziele damit verbunden sind und was ihn erwartet, wenn nicht handelt. Dabei verliert sich das Werk nicht in betriebswirtschaftlichen Theorien, sondern beschreibt die anwaltstypischen Managementprobleme.

Neu sind die Kapitel bzw. Ausführungen der Co-Autoren. Stefan Rizor beleuchtet in Kapitel 13 die zunehmende Internationalisierung der Anwaltstätigkeit und deren Auswirkungen auf das Anwaltsmanagement. Jan Petke betrachtet das Anwaltsunternehmen aus Sicht des Unternehmensberaters, zeigt typische Fehler auf und gibt konkrete Vorschläge und zur Überwindung von Widerständen.


Da das Anwaltsmanagement in der Juristenausbildung stiefmütterlich bis gar nicht behandelt wird, kann die Lektüre dieses Buches nur jedem Anwalt empfohlen werden. Das Fazit des Autors, dass der Anwaltsberuf interessante Zeiten erlebt hat und noch erleben wird, ist zutreffend. Den veränderten Strukturen muss sich ein Anwaltsunternehmen stellen, wenn es auch zukünftig am Markt bestehen will. Hierzu leistet dieses Werk einen wertvollen Beitrag.