Montag, 12. Dezember 2016

Rezension: Basiswissen Jura für die mündlichen Prüfungen

Pötters / Werkmeister, Basiswissen Jura für die mündlichen Prüfungen, 5. Auflage, de Gruyter 2016

Von Ass. iur. Fabian Bünnemann, LL.M., Essen



Steht einem Referendar während der Vorbereitung auf den schriftlichen Teil des zweiten juristischen Staatsexamens mittlerweile eine Vielfalt an Ausbildungsliteratur zur Verfügung, so ändert sich dies im Rahmen der Vorbereitung auf die mündliche Prüfung. Allerdings wird Examenskandidaten spätestens mit der Mitteilung der Klausurergebnisse bewusst, dass auch die mündliche Prüfung eine spezifische Vorbereitung erfordert. Neben der Vorbereitung auf den sog. Aktenvortrag kann die Vorbereitungszeit mit dem Wiederholen häufig auftauchender Prüfungsfragen effektiv genutzt werden. Diesem Zweck dient das von Stephan Pötters und Christoph Werkmeister nunmehr in 5. Auflage herausgegebene Buch „Basiswissen für die mündlichen Prüfungen“.

Das Werk ist insgesamt in 14 Kapitel eingeteilt. Nach kurzer Einleitung (§ 1) und einigen Lern- und Recherchetipps (§ 2), insbesondere zur Vorbereitung auf tagesaktuelle Prüfungsfragen sowie auf die die jeweiligen Prüfer, widmen sich die Autoren zunächst einem kurzen rechtsgeschichtlichen Abriss (§ 3), der rundum gelungen ist. Vor allem der Abschnitt zum „Prozess der Europäischen Integration“ (S. 13 ff.), einem während Studium und Referendariat leider allzu oft vernachlässigtem Gebiet, ist äußerst prägnant und lesenswert. So kann der Examenskandidat hier einen Schnellkurs im EU-Recht einschließlich des wichtigen Kooperationsverhältnisses zwischen dem Bundesverfassungsgericht und dem EuGH (S. 17 ff.) erlangen. Zudem enthält das Kapitel häufige rechtsgeschichtliche Fragen aus den verschiedenen Rechtsgebieten und darüber hinaus (so z. B. zu bekannten Personen wie Georg Jellinek und Friedrich Carl von Savigny).

Es folgen eine grafische Darstellung der Instanzenzüge (§ 4) sowie recht knappe, aber treffende Ausführungen zu den „wichtigen Gerichten“ (§ 5). Von höchster Wichtigkeit ist die systematische Abhandlung der Verfahrensgrundsätze des Zivilprozesses, des Strafprozesses und des Verwaltungsprozesses (§ 6), werden diese Grundsätze doch regelmäßig in mündlichen Prüfungen abgefragt. Zur schnellen Wiederholung eignet sich auch die Darstellung der „Verfassungsrechtlichen Grundsatzentscheidungen und Staatszielbestimmungen des GG“ (§ 7), die vor allem auch die verschiedenen Ausprägungen des Rechtsstaatsprinzips, von Gewaltenteilung über Wesentlichkeitstheorie bis Rückwirkungsverbot, prägnant zusammenfasst.

Die Zusammenstellung häufiger Fragen zum Zivil-, Straf- und öffentlichen Recht (§ 8) ist leider mit nur 29 Seiten doch recht knapp geraten. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass diese Fragen wohlmöglich den Kern dessen bilden, was sich ein Referendar in der Vorbereitung auf die mündliche Prüfung von einem Werk wie dem vorliegenden erhofft. Zum Vergleich: Das wohl einzig vergleichbare Werk, verfasst von Kaiser / Bannach (Prüfungswissen Jura für die mündliche Prüfung, 3. Aufl., Franz Vahlen 2016), bietet im entsprechenden Teil ganze 91 Seiten zur gezielten Prüfungsvorbereitung auf die spezifischen Rechtsgebiete an.

Wer sich in den anderen Kapiteln des Werks bereits gut auszukennen meint, dem sei sodann der Abschnitt zu wichtigen Leiturteilen (§ 9) empfohlen. Diese Aneinanderreihung wichtiger Entscheidungen von EuGH, BVerfG und BGH ist sehr aufschlussreich und gibt dem Examenskandidaten die Möglichkeit der schnellen Wiederholung nicht nur der Entscheidungsbezeichnungen, sondern auch der entsprechenden Inhalte der jeweiligen Judikate. Die anschließenden „Fragen zu Abläufen in der Praxis“ (§ 10) bieten sodann interessante Frage- und Problemstellungen zum Alltag von Praktikern. Dieses Kapitel ist zuhöchst prüfungsrelevant und sollte daher keinesfalls ausgelassen werden.

Es folgen eine Kurzübersicht zu juristischer Methodik (§ 11) sowie eine „Liste lateinischer Begriffe und Sentenzen“ (§ 12), jeweils zur Wiederholung gut geeignet. Abschließend widmen sich die Autoren dem Vortrag (§ 13) und stellen drei Übungsvorträge samt Lösung und Lösungsskizze zur Verfügung (§ 14). Dieser Teil des Buches ist allerdings an Kandidaten der ersten juristischen Prüfung gerichtet und dient daher nicht der Vorbereitung auf den Vortrag in der zweiten juristischen Staatsprüfung. Hier schlägt sich nieder, dass das Werk für Kandidaten in beiden juristischen Prüfungen dienlich sein soll. Dennoch vermag auch der interessierte Referendar den allgemeinen Ausführungen einige hilfreiche Ratschläge zu entnehmen.


Das Werk ist für die Vorbereitung auf die mündliche Prüfung im Assessorexamen sehr zu empfehlen. Die Wiederholung wichtiger Grundlagen, die in der schriftlichen Prüfung nicht in gleicher Gestalt und gleichem Umfang geprüft werden, verschafft dem Examenskandidaten Sicherheit. Hervorgehoben sei die überaus angenehme Darstellungsweise, teils als Übersicht, teils im Frage-Antwort-Modus. Hierbei zeigt sich die langjährige Repetitorentätigkeit beider Autoren. Zudem sind die komprimierten Darstellungen zur Rechtsgeschichte, den Verfahrensgrundsätzen, den verfassungsrechtlichen Grundentscheidungen sowie den Leiturteilen hervorzuheben. Der Preis von 24,95 Euro ist dabei in jeder Hinsicht angemessen. In Kombination mit der Lektüre des bereits zitierten Werks von Kaiser / Bannach (Prüfungswissen Jura für die mündliche Prüfung, 3. Aufl., Franz Vahlen 2016) dürfte der Examenskandidat sodann auf die „allgemeinen Fragen“ in der zweiten juristischen Staatsprüfung optimal vorbereitet sein.