Samstag, 10. Dezember 2016

Rezension: Contracts in English

Bugg, Contracts in English, An introductory guide to understanding, using and developing „Anglo-American“ style contracts, 3. Auflage, C.H. Beck 2016

Von Carina Wollenweber, Wirtschaftsjuristin, LL.M., Siegen



Das Werk „Contracts in English, An introductory guide to understanding, using and developing „Anglo-American“ style contracts“ des Autors Stuart G. Bugg ist, wie der Titel bereits verraten sollte, in englischer Sprache verfasst und thematisiert insbesondere das „Common Law“ sowie die typischen Fallstricke sowie Unterschiede zum „Civil Law“. Es erscheint in der 3. Auflage und umfasst 8 Kapitel und 4 Anhänge auf insgesamt 263 Seiten.

Kapitel 1 „Background: Anglo-American Contracts“ beschäftigt sich mit dem “Common” und dem „Civil Law“ System. Es werden auch die Unterschiede zwischen Fallrecht und kodifiziertem Recht dargestellt. Besonders interessant gestaltet sich die Geschichte zum „Common Law“. „What is a „Contract“?“ lautet die Überschrift von Kapitel 2. Darin geht es um die Unterscheidung zwischen Verträgen mit Siegel und „einfachen“ Verträgen. Des Weiteren werden die Voraussetzung, einen Vertrag abschließen zu wollen, und der Mindestinhalt eines Vertrages thematisiert. Auch wird bereits an dieser Stelle zumindest grob erläutert, wie ein Vertrag zustande kommt. Auf Nichtigkeitsgründe, welche in einer Person liegen können (z.B. Minderjährigkeit), und die Stellvertretung geht der Autor ebenfalls ein.

In Kapitel 3 „Contract Formation“ werden z.B. die Bereiche Angebot und Annahme, noch einmal der Mindestinhalt des Vertrages, die AGB-Kollision und die Schriftlichkeit thematisiert. Kapitel 4 trägt die Überschrift „Extra-contractual Liability“. Es befasst sich mit dem vorvertraglichen Bereich, insbesondere mit dem „Letter of Intent“ (LOI) und dem „Memorandum of Understanding“ (MoU). In Kapitel 5 „Legal Language of Contracts“ werden Regeln zur Auslegung und Formulierung von Verträgen erläutert. „Liability for Breach“ nennt sich Kapitel 6. Hier werden die Unterschiede zwischen dem „Common“ und dem „Civil Law“ System besonders deutlich gemacht (z.B. kein Verschuldenserfordernis). Aber auch auf Abweichungen innerhalb des „Common Law“ wird eingegangen (z.B. S. 67: Unterschiede bei diversen Begrifflichkeiten; S. 70: Rechtsbehelfe abhängig vom jeweiligen Recht). Darüber hinaus bilden Einreden und Einwendungen (S. 70 ff., z.B. Unmöglichkeit) sowie die Auslegung (S. 73) Bereiche dieses Kapitels.

Kapitel 7 „Contract Structure and Organisation“ erläutert den typischen Aufbau eines Vertrages (Präambel, Hauptteil inkl. Definitionen, Unterschriften und ggf. Anhänge) und dessen Bedeutung. Mit den „Typical Boilerplate Clauses“ beschäftigt sich das 8. und demnach letzte Kapitel dieses Werkes. Thematisiert werden u.a. die Rechtswahl, Sprache, Gerichtsstand und die Schiedsgerichtsbarkeit. In Bezug auf die Schiedsgerichte werden deren Vorteile dargestellt und wichtige Schiedsgerichte aufgezählt. Auch die Möglichkeit zur Mediation wird kurz vorgestellt. Darüber hinaus existiert eine Liste mit „Boilerplate“-Klauseln. Der Autor geht auf die Unterscheidung von pauschaliertem Schadensersatz und Vertragsstrafe sowie auf die „Force Majeure“-Klausel und deren Bestandteile ein. Auch eine Abgrenzung zwischen „Warranties“ und „Guarantees“ wird vorgenommen. Des Weiteren bilden die „Entire Agreement“-Klausel sowie Ausführungen zur Bestechung Themen dieses Kapitels.

Am Ende eines jeden Kapitels wird der wichtigste Inhalt zusammengefasst. Dies stellt eine gute Wiederholung für den Leser dar. Es wird aber auch explizit erwähnt, dass die Zusammenfassung nicht das Lesen des gesamten Kapitels ersetzen kann. Innerhalb der Kapitel befinden sich ebenfalls zuweilen Zusammenfassungen (z.B. S. 53 ff.: Hinweise zur Vertragsgestaltung; S. 69: Tabelle).

Anzumerken ist, dass über die Hälfte des Werkes aus Anhängen besteht. Das Literaturverzeichnis bildet Anhang I. Dieses ist in 3 Kategorien unterteilt (Wörterbücher, zur Sprache, zum Recht), was dem Leser sehr entgegenkommt. Anhang II besteht aus Ausschnitten diverser U.K. oder U.S. Gesetze. Diese Sammlung macht bereits einen großen Teil des Werkes aus. Anhang III beinhaltet vollständige Musterverträge und -klauseln und stellt einen der Schwerpunkte des Werkes dar. Verschiedene Themengebiete werden abgedeckt (z.B. Geheimhaltungsvereinbarung, Kauf- und Lizenzvertrag). Für den „Letter of Intent“ existieren 2 Versionen: englisches und U.S. Recht. Direkte Erläuterungen zu den Mustern werden im Anhang nicht gegeben; diese müssen im Hauptteil gesucht werden. Jedoch erkennt der Leser durch die Musterverträge, wie und an welcher Stelle die vorgestellten Musterklauseln am besten benutzt werden können. Durch die Verwendung von ausschließlich Großbuchstaben und eckigen Klammern wird angezeigt, dass der Leser an jener Stelle ergänzen muss. Anhang IV umfasst ein Glossar von deutsch- und englischsprachigen Wörtern und Begriffen. Z.T. werden auch mehrere Bedeutungen genannt. Das Glossar funktioniert jedoch nur in die Richtung englisch – deutsch.

Musterklauseln werden durch einen grauen Hintergrund besonders hervorgehoben (z.B. S. 5). Dem Leser wird nahe gelegt, welche Begriffe und Phrasen er für eine bestimmte Situation verwenden und welche er besser meiden sollte (z.B. S. 8; S. 49 f.: Urteil; S. 55, 61, 65: gute und schlechte Beispiele). Die Beispiele verdeutlichen sehr schön, wie wichtig eine detaillierte Klauselgestaltung sein kann (z.B. S. 9) und verdeutlichen das Gesagte auf anschauliche Art und Weise. Es ist eine 4-seitige Liste mit englischen Begriffen und deren Bedeutung (ebenfalls in Englisch) vorhanden (S. 42). Diese könnte bei Bedarf auch verwendet werden, um eine eigene Liste zu erstellen oder zu modifizieren. Musterklauseln und die Hinweise zur Vertragsgestaltung (z.B. S. 29 in Bezug auf die Definition zu „schriftlich“) sind besonders praxisrelevant und zeigen das Gefahrenpotenzial auf (z.B. S. 34: LOI).

Des Weiteren sind einige Übersichten vorhanden, welche dem Leser das Gesagte schnell und übersichtlich verdeutlichen (z.B. S. 5: Zuteilung von Ländern und Regionen zum „Civil“ oder „Common Law“; S. 8: Charakteristiken der beiden großen Rechtssysteme; S. 16: „Deeds“). Diese stellen auch eine gute Wiederholung dar. Zusätzlich werden viele interessante Fälle vorgestellt, welche ebenfalls durch eine graue Hinterlegung hervorgehoben werden. Auch Auszüge aus Urteilen (z.B. S. 35) und eine Bezugnahme zu diesen inkl. Name (z.B. S. 64) sind vorhanden.

In den Fußnoten befinden sich neben den Quellenangaben weitere wissenswerte Informationen (z.B. S. 6, Fn. 8: Aufzählung vieler „Common“ und „Civil Law“ Staaten sowie Staaten, welche dem muslimischen, dem „Customary“ oder einem gemischten System angehören; S. 19, Fn. 4: Beispiele für Verjährungsfristen in England). Auszüge aus Gesetzen werden z.T. auch kurz im laufenden Text wiedergegeben, obwohl sie bereits im Anhang II vorhanden sind (z.B. S. 18). Dies ist für den Leser sehr angenehm, da nicht gesucht und geblättert werden muss.

Zusätzlich runden diverse Verzeichnisse und Listen das Werk ab. Dazu zählen ein Inhalts-, ein Rechtsprechungs-, ein Tabellen- sowie ein sehr kurzes Abkürzungsverzeichnis. Insgesamt sind 7 Tabellen vorhanden. Zusätzlich existieren noch eine Übersicht über die in Bezug genommenen Gesetze und eine Liste über Internetquellen. Ein Stichwortverzeichnis sucht der Leser jedoch vergebens.

Das Werk bezieht sich nicht nur auf Verträge unter U.S. oder U.K. Recht, sondern auch auf Verträge des „Civil Law“ Systems, welche in englischer Sprache formuliert werden. Hauptsächlich handelt das Werk jedoch von englischem Recht. Besonders gelungen ist, dass typische Fehler und Gefahrenquellen im Vergleich zur deutschen Sprache gezeigt werden (z.B.: S. 58: Force Majeure). Es werden auch immer wieder Unterschiede aufgezeigt (z.B. S. 49 in Bezug auf die Zeichensetzung). Demnach geht es nicht lediglich um die Unterscheidung zwischen „Common“ und „Civil Law“.

Die Kopfzeile gewährleistet dem Leser jederzeit eine hervorragende Orientierung. Den eigentlichen Text (Kapitel 1 - 8) erkennt der Leser an dem grauen Rand. Besonders wichtige Wörter werden durch Fettdruck hervorgehoben. Verweise innerhalb des Werkes helfen dem Leser, sich besser zurechtzufinden (z.B. S. 5 mit Verweis auf Kapitel 8.1). Randnummern existieren hingegen nicht. Der Autor spricht den Leser z.T. gezielt an. Dadurch wird eine gewisse Verbindung zwischen diesen beiden Personen aufgebaut. Dem Autor gelingt es darüber hinaus, den von vielen Menschen als eher „trocken“ empfundenen Stoff mit Humor anzureichern (z.B. S. 7: Kauf einer Kuh; S. 15: Bäcker-Beispiel; S. 18: Shakespeare). Dies ist für den Leser sehr angenehm und bietet Abwechslung. Sprachlich ist das Werk sehr gut verständlich, wenn ausreichende Vorkenntnisse der englischen Sprache vorhanden sind. Das Glossar bietet hier zusätzliche Unterstützung. Bereits der Hardcover-Einband lässt auf ein hochwertiges Werk schließen.


Fazit: Das vorliegende Werk ist insbesondere spannend für deutsche Leser, welche ihre Verträge in der englischen Sprache schließen und/oder das „Common Law“ verwenden möchten. Aber auch für andere Anwender innerhalb des „Civil Law“ Systems kann das Werk empfohlen werden. Es bietet viele Musterklauseln und sogar -verträge sowie eine ausreichende Anzahl an Negativbeispielen, wodurch typische Fehler vermieden werden können. Durch die Anhänge findet eine hervorragende Ergänzung des eigentlichen Textteils statt. Der Autor hat demnach seine Sache sehr gut gemacht und unterstützt den Leser bei seinem komplexen Unterfangen in gelungener Art und Weise.