Freitag, 2. Dezember 2016

Rezension: Die Zivilgerichtsklausur im Assessorexamen – Band I

Kaiser / Kaiser / Kaiser, Die Zivilgerichtsklausur im Assessorexamen – Band I: Technik, Taktik, Formulierungshilfen, 7. Auflage, Vahlen 2016

Von Referendar am Hanseatischen Oberlandesgericht Christian F. Bock, Hamburg



Nunmehr in der 7. Auflage erscheint „Die Zivilgerichtsklausur im Assessorexamen“, die Teil der Kaiser-Skriptenreihe ist und von Seminarleitern der Kaiserseminare verfasst wird. Das Skript richtet sich an Referendare und orientiert sich dementsprechend an den Anforderungen des Examens. Es versteht sich selbst als eine Hilfestellung zum Einstudieren und Einüben examensrelevanter Frage- und Problemstellungen, ersetzt insoweit aber nach der eigenen Konzeption nicht die Lektüre eines Lehrbuchs zur Aneignung profunder zivilprozessualer Basiskenntnisse. Hilfe soll das Skript leisten, indem die Probleme der Referendare bei der Umsetzung zivilprozessualer und materiell rechtlicher Kenntnisse in die Klausurpraxis durch Formulierungsvorschläge für typische Konstellationen gemindert und Wege für eine Herangehensweise an prozessrechtliche Probleme vorschlagen werden.

Grundlegende legislatorische Änderungen hat das insoweit relevante Zivilrecht nicht erfahren. Die Neuauflage berücksichtigt insofern einige jüngere Entscheidungen wie beispielsweise zur gewillkürten Prozessstandschaft bei Vollstreckungsgegenklagen BGH 10.12.2013 – XI ZR 508/12 NJW‑RR 2014, 653 Rn. 12 (vgl. dazu Kaiser Rn. 353) und legt den Darstellungen neue Konstellationen aus den letzten Examensdurchgängen zugrunde. Fußnoten enthält das Skript weiterhin nicht und auch der Text ist im Hinblick auf die Wiedergabe von Gerichtsentscheidungen –nachvollziehbar – ausgedünnt. Gerade deshalb erscheint aber die Darstellung von BGH 27.02.2015 – V ZR 128/14 – NJW 2015, 2425 Rn. 15 ff. zu den Auswirkungen eines Widerrufes der Prozessführungsermächtigung überflüssig, weil die Autoren selbst die Konstellation nicht für examensrelevant halten (vgl. dazu Kaiser Rn. 353).

Vor den Formulierungshilfen werden die prozessualen Probleme stets kurz abstrakt dargestellt und erläutert. Dass viele abstrakte Ausführungen sehr knapp gehalten sind, entspricht dem Konzept des Skripts. Allerdings sind einige Vorbemerkungen so knapp, dass sie erst mit dem nachfolgenden Fall und der Lösung nachvollziehbar werden. Das Skript versetzt Referendare schnell in die Lage prozessuale Probleme zutreffend und ansprechend darzustellen. Jede typisch auftretende Konstellation wird zumindest punktuell ausformuliert. Die Formulierungsvorschläge benutzen dabei immer wieder einprägsame, kurze prägnante Wendungen, die im Skript an späteren Stellen wiederkehren und derart beim Leser hängen bleiben. Durch zahlreiche kleine Fälle kann der Leser seine eigenen prozessualen Kenntnisse auf die Probe stellen und bekommt die Lösung in Form eines klausurtauglichen Formulierungsvorschlags geliefert. Außerdem erleichtern Übersichten gerade im Schnittfeld von Klagerücknahme und Klageänderung das Verständnis und die Systematik (vgl. Kaiser Rn. 404 ff., 420). Sehr hilfreich sind auch die Gliederungen und Hinweise zum Aufbau des Tatbestands (siehe Kaiser Rn. 27a ff.) und der Entscheidungsgründe (siehe Kaiser Rn. 259 ff.) bei unterschiedlichen prozessualen Klagesituationen.


Die Neuauflage des Skripts stellt für Referendare bei der ersten Beschäftigung mit Zivilgerichtsklausuren im Assessorexamen einen guten Ratgeber für die Formulierung sämtlicher examenstypischer Klagesituationen dar und bietet auch anschließend als Nachschlagewerk die Möglichkeit gezielt Formulierungen nachzuarbeiten, die noch Probleme bereiten. Für Referendare ist die Lektüre des Skripts ohne weiteres empfehlenswert.