Donnerstag, 1. Dezember 2016

Rezension: Erbrecht

Brox / Walker, Erbrecht, 27. Auflage, Vahlen 2016

Von stud. iur. Jannina Schäffer, Tübingen



Sagenhafte 26 Auflagen hat das Werk „Erbrecht“ aus dem Hause Vahlen schon hinter sich und erscheint 2016 in der 27. vollständig neu bearbeiteten Auflage. Das von Dr. Hans Brox (1920-2009) begründete Lehrbuch wurde erstmals 1966 publiziert und feiert dieses Jahr seinen 50. Geburtstag. Seit der 22. Auflage wird der Klassiker von Prof. Dr. Wolf-Dietrich Walker fortgeführt, der die Professur für Bürgerliches Recht, Arbeitsrecht und Zivilprozessrecht an der Justus-Liebig-Universität Gießen innehat. Beide Autoren gemeinsam haben außerdem noch die sehr bekannten Lehrbücher zum BGB AT, sowie zum allgemeinen und besonderen Schuldrecht verfasst.

Die neue Auflage des hier besprochenen Werkes erscheint in der Reihe „Academia Iuris“ und enthält bereits Ausführungen zu der Europäischen Erbrechtsverordnung, die 2015 in Kraft getreten ist. Die diesjährige Reform des Erbschaftssteuerrechts ist anhand des Regierungsentwurfs dargestellt. Das Werk befindet sich auf dem Stand von Juni 2016 und ist somit brandaktuell. Das Lehrbuch ist für Studenten verfasst und will sie laut Vorwort der Autoren „an die rechtlich oft schwierigen aber praktisch bedeutsamen Fragen des Erbrechts heranführen“. Ob das gelingt?

Das Werk ist über 800 Seiten stark und gehört damit definitiv zu den umfangreichsten Lehrbüchern auf dem Markt. Dementsprechend überrascht es nicht, dass das Buch in 12 Abschnitte mit jeweils zahlreichen Unterkapiteln gegliedert ist. Im ersten Teil geben die Autoren eine Einführung in das Rechtsgebiet und erörtern die wichtigsten Grundbegriffe des Erbrechts, was für unerfahrene Studenten einen großen Mehrgewinn darstellt. In Abschnitt zwei wird die Berufung zum Erben erörtert. Dargestellt werden unter anderem die gesetzliche und die gewillkürte Erbfolge mit einem Schwerpunkt auf Testament und Erbvertrag, sowie der Ausschluss hiervon. Im dritten Abschnitt geht es um Anordnungen des Erblassers wie beispielsweise Auflagen und Vermächtnis. Während der vierte Abschnitt die Miterbengemeinschaft darstellt, geht es im fünften um das Pflichtteilsrecht. In Teil sechs wird der Schutz des Erben dargestellt und Teil sieben behandelt die Erbenhaftung. Die Autoren behandeln im achten Abschnitt Zuwendungen auf den Todesfall und erörtern in Abschnitt neun und zehn die Bezüge zwischen Erbrecht und Gesellschaftsrecht. Während Abschnitt elf sich mit dem Erbschaftssteuerrecht beschäftigt, dreht sich im letzten Teil alles um das internationale Erbrecht.

Schon ein Blick auf die letzten Kapitel zeigt: das Buch ist für Studierende viel zu umfangreich und thematisch nicht immer den Prüfungsordnungen angepasst. In einer Examensklausur wird wohl kaum das internationale Erbrecht oder Erbschaftssteuerrecht abgefragt werden. Für Praktiker oder Studenten mit dem Schwerpunkt Erbrecht ist dies wohl eher von Interesse. Ebenfalls ist gleich zu Anfang festzuhalten, dass das Buch mit über 800 Seiten wirklich sehr umfangreich ist. Die wenigsten Studenten werden für ein Nebengebiet derart viel Zeit aufbringen können. Wer das Werk von vorne bis hinten durcharbeitet, kann sich dafür sicher sein, wirklich jede Facette des Erbrechts einmal bearbeitet zu haben. Gerade wegen der allumfassenden Darstellung und den vielen Literaturangaben ist das Lehrbuch dafür aber gut als Rechercheliteratur für eine erbrechtliche Hausarbeit geeignet.

Positiv hervorzuheben ist, dass das Lehrbuch unzählige Beispielfälle enthält, die dem Leser die oft komplexe Thematik des Erbrechts verdeutlichen und praxisnah darstellen. Ebenfalls wirkt es sich sehr positiv auf das Verständnis und den Lesefluss aus, dass die Autoren sich kleiner Grafiken bedienen, die nicht nur den Text auflockern, sondern beispielsweise auch komplizierte Sachverhalte und Beziehungsverhältnisse darstellen. Insgesamt ist das Buch trotz seines Umfangs und seiner Fülle an Informationen übersichtlich gestaltet. Studierende werden sich besonders an den Zusammenfassungen am Ende eines Kapitels erfreuen. Im Anhang des Buches finden sich Mustertexte zu verschiedenen erbrechtlichen Problemkreisen. Diese sind wohl eher für Referendare und Praktiker von Bedeutung. Interessierte Studenten erhalten darin jedenfalls bereits einen wertvollen Einblick in die Praxis.


Auch wenn die Autoren das Buch speziell für Studierende der Rechtswissenschaften konzipiert haben, eignet es sich wohl eher als ein Handbuch zum Nachschlagen und Vertiefen einzelner Fragestellungen, denn als klassisches Lehrbuch. Hierfür ist es viel zu umfangreich. Trotzdem wird das Werk seinem Ruf als „Klassiker“ gerecht. Es behandelt wichtige erbrechtliche Problematiken vollumfänglich und wird regelmäßig aktualisiert. Da über den Kernbereich des Erbrechts hinaus auch Randbereiche behandelt werden, vermittelt das Werk ein umfassendes Bild des fünften Buches des BGB. Insofern kann „Erbrecht“ von Brox/Walker in vollem Umfang zu einem sehr gründlichen und wirklich ausführlichen Studiums des Erbrechts dienen.