Donnerstag, 29. Dezember 2016

Rezension: Rechtstheorie

Rüthers / Fischer / Birk, Rechtstheorie, 9. Auflage, C.H. Beck 2016

Von Stud. iur. Jannina Schäffer, Tübingen



Gerade zu Beginn des Studiums erscheint Studenten die Beschäftigung mit den verschiedenen Rechtstheorien und der juristischen Methodenlehre sehr mühselig. Spätestens in der Examensvorbereitung kristallisiert sich dann aber heraus, wie wichtig und hilfreich die Auseinandersetzung mit dieser Thematik ist. Es erscheint einleuchtend, dass nicht jede mögliche Fallkonstellation, jedes BGH-Urteil und jeder Theorienstreit auswendiggelernt werden kann. Daher lohnt es sich, das Grundhandwerkszeug der Juristerei schon möglichst früh zu erlernen. Die Rechtstheorien und die juristische Methodenlehre helfen einem dabei, auch unbekannte, komplexe Fälle juristisch sauber zu lösen. Was ist Recht? Warum gilt es und wie wendet man es richtig an?

Das Lehrbuch „Rechtstheorie mit juristischer Methodenlehre“ vereint beide Themen kompakt in einem Buch. Das Werk erscheint 2016 bereits in der 9. Auflage innerhalb der beliebten Reihe „Grundrisse des Rechts“ aus dem Hause Beck. Es entstammt der Feder von gleich drei angesehenen Juraprofessoren, nämlich Dr. iur. Dres. h.c. Bernd Rüthers (Universität Konstanz), Dr. iur. Christian Fischer (Friedrich-Schiller-Universität Jena) und Dr. iur. Axel Birk (Hochschule Heilbronn).

Auf ca. 600 Seiten versuchen die drei Autoren dem Leser diese beiden wichtigen Grundlagenfächer näherzubringen, deren Lehre an vielen Universitäten eher vernachlässigt wird. Das Buch ist grob in vier Kapitel gegliedert. In Kapitel eins wird vorab dargestellt, was Recht überhaupt ist und was man unter Rechtstheorien versteht. In Kapitel zwei dreht sich alles um das Recht und seine Funktion, während das dritte Kapitel die Geltung des Rechts thematisiert. Im letzten Kapitel wird schließlich die Rechtsanwendung behandelt.

Positiv hervorzuheben sei an dieser Stelle gleich vorab, dass die Autoren in der Vorrede zum Buch und im ersten Kapitel thematisch bei Null anfangen, was Studenten am Anfang des Studiums den Einstieg in die sehr theorielastige Materie erleichtert. In Kapitel eins und zwei wird zu anfangs anschaulich erläutert, was überhaupt eine „Theorie“ ist und was man unter dem Begriff „Recht“ versteht. Danach gehen die Autoren näher darauf ein, welche „Normen“ es in unserer Rechtsordnung gibt und wie diese aufgebaut sind. Ein Unterkapitel widmen die Autoren dem Thema Sprache. Wie versteht man schwierige Texte? Welche unterschiedlichen Bedeutungen kann ein Wort haben? Wie drückt man sich logisch und präzise aus? Im Folgenden werden dann die verschiedenen Rechtsquellen und deren Verhältnis zueinander erörtert. Das dritte Kapitel beginnt mit der Thematik „Recht und Gerechtigkeit“. Daran anschließend werden die Themen „Naturrecht“ und „Religion und Recht“ behandelt. Selbstverständlich vermitteln die Autoren hierbei auch immer den nötigen historischen Kontext, um das Problem in seiner Tiefe zu erfassen. Ein Unterkapitel ist hierbei auch der Rechtslehre im Nationalsozialismus gewidmet. Im vierten Kapitel wird es vor allem für Jurastudierende dann noch einmal richtig interessant: vorgestellt wird hier die juristische Subsumtionstechnik; also das Herzstück einer jeden Juraklausur. Anschließend folgt ein Unterkapitel zu den verschiedenen Auslegungsmethoden; insbesondere der Rechtsanwendung im Lückenbereich (Analogie).


Laut Vorwort der Autoren richtet sich das Buch an Studierende, Praktiker und interessierte Bürger. Für Studenten bietet sich der Vorteil, dass gleich zwei Grundlagenfächer in einem Band behandelt werden. In der juristischen Ausbildung werden die Rechtstheorien und die Methodenlehre zum Bedauern der Schreiber oft nicht behandelt oder zumindest nur als Wahlfach angeboten. Auch die dadurch entstehende Wissenslücke soll durch das Lehrbuch gefüllt werden. Allerdings ist das Werk mit 600 Seiten sehr umfangreich. Für sowieso schon stark ausgelastete Jurastudenten wird es daher kaum möglich sein, das gesamte Lehrbuch zu lesen. Gerade die Kapitel zur Subsumtionstechnik und zur Auslegung von Normen seien dem interessierten Studenten hier aber besonders ans Herz gelegt. Die historische Entwicklung des Rechts ist wohl eher für eine Schwerpunktarbeit oder die mündliche Prüfung relevant. Wer sich für die Geschichte des Rechts, seine Entwicklung sowie Rechtsphilosophie- und Rechtstheorie näher interessiert, dem ist dieses Buch jedenfalls uneingeschränkt zu empfehlen. Ob der juristische Laie den Ausführungen im Buch – und vor allem den vielen Gesetzeszitaten – wirklich vollumfänglich folgen kann, sei dahingestellt. Jedenfalls werden bei der allumfassenden Darstellung auch die meisten Praktiker bei der Lektüre noch einiges dazulernen.