Samstag, 31. Dezember 2016

Rezension: Standardfragen und -themen in der mündlichen Prüfung im 2. Examen

Berkemeyer, Standardfragen und -themen in der mündlichen Prüfung im 2. Examen, 1. Auflage, ReferendarFachVerlag 2016

Rechtsreferendar Dr. Arian Nazari-Khanachayi, LL.M. Eur., Heidelberg



Die mündliche Prüfung in der Zweiten Juristischen Staatsprüfung beschäftigt jeden Rechtsreferendar spätestens nach dem Absolvieren der Examensklausuren. Dabei kann die Vorbereitung bis zum Zeitpunkt der Bekanntgabe der Prüfer in der jeweiligen Prüfungskommission nicht auf konkrete Spezialgebiete der Prüfer konzentriert werden, sondern es gilt vielmehr – wie auch in Vorbereitung auf die Klausuren – alle Prüfungspflichtfächer mit Blick auf die spezifischen Anforderungen der mündlichen Prüfung zu wiederholen oder gegebenenfalls sogar Lücken zu schließen. An dieser Stelle ist es besonders begrüßenswert, dass Herr Dr. Michael Berkemeyer vom ReferendarFachVerlag (hierzu sogleich mehr) das ehemals als E-Book erhältliche Werk (vgl. auch Vorwort) mit einem Umfang von 228 Seiten nunmehr in Printformat vorlegt und damit die Vorbereitung auf die mündliche Prüfung in der Zweiten Juristischen Staatsprüfung erheblich erleichtert.

In formaler Hinsicht ist zuvorderst der ReferendarFachVerlag, in dem das Werk erschienen ist, als junger, erst im Jahre 2016 gegründeter Verlag (www.referendarfachverlag.de) hervorzuheben. Dabei besteht die Besonderheit dieses Verlages in seiner Einbettung in das Gesamtkonzept des – den meisten Rechtsreferendaren bereits bekannten – Internetangebots www.referendarswelt.de. Hierbei hat sich der ReferendarFachVerlag ausschließlich auf die Befriedigung der literarischen Bedürfnisse von Rechtsreferendaren spezialisiert, wobei das hier besprochene Werk das erste Printangebot dieses Verlags darstellt. Die Vorzüge der Einbettung dieses Verlags in das Gesamtkonzept des Internetangebots www.referendarswelt.de zeigt sich bereits im hier besprochenen Werk dadurch, dass die mittels der Plattform www.protokolle-assessorexamen.de eingereichten, über 10.000 Protokolle analysiert wurden, um sodann die regelmäßig prüfungsübergreifend wiederkehrenden Themengebiete systematisch und leserfreundlich im Werk darzustellen (vgl. auch Vorwort).

Ferner sind in formaler Hinsicht zweierlei Aspekte aus dem Werk begrüßenswert: Auf der einen Seite ist es besonders erfreulich, dass Berkemeyer mit Blick auf die analysierten Protokolle zu Beginn eines jeden Themenabschnitts eine erste Einschätzung bezüglich der Bedeutung und Häufigkeit des im Anschluss vorgestellten Themengebiets abliefert („Bemerkungen“). So kann sich der – sich gegebenenfalls in Zeitnot befindende – Leser bei der Vertiefung einzelner Themengebiete zunächst auf die besonders wichtigen Themen konzentrieren und erst bei vorhandenem Zeitbudget den weiteren Themenkreisen vertiefend widmen. Auf der anderen Seite sind die am Ende jedes Abschnitts vorhandenen Original-Zitate/Auszüge aus den Prüfungsgesprächen besonders zu loben, da diese dem (aufmerksamen) Leser ein Gespür für den typischen oder jedenfalls möglichen Verlauf eines in der Zweiten Juristischen Staatsprüfung stattfindenden Prüfungsgesprächs zu vermitteln vermögen.

In inhaltlicher Hinsicht besticht das Werk insbesondere aus dreierlei Gründen: Zuvorderst muss nochmals hervorgehoben und betont werden, dass die immense Zahl der analysierten Protokolle (über 10.000) es Berkemeyer nicht nur ermöglicht, die regelmäßig wiederkehrenden Themen systematisch darzustellen (siehe oben). Vielmehr präsentiert Berkemeyer vor diesem Hintergrund zugleich eine Vielzahl von Vertiefungsfragen, die regelmäßig im systematischen Zusammenhang mit den übergreifenden Themengebieten in Prüfungsgesprächen gestellt werden (vgl. etwa S. 29 ff. zu Vertiefungsfragen im Zusammenhang mit dem zivilgerichtlichen Instanzenzug [etwa S. 31 f. zur Frage, wer den Geschäftsverteilungsplan aufstellt und zur Zusammensetzung des Präsidiums i.S.d. § 21a GVG], S. 96 ff. zu Vertiefungsfragen im Zusammenhang mit der Strafgerichtsbarkeit [z.B. S. 98 zur Stimmgewichtsverteilung zwischen Berufsrichtern und Schöffen] oder S. 191 ff. zu Vertiefungsfragen im Zusammenhang mit dem vorläufigen Rechtsschutz im Öffentlichen Recht [bspw. S. 193 f. zur Abgrenzung von Nebenbestimmungen und modifizierten Auflagen]). Auf diese Weise wird dem Leser aufgezeigt, welche Themen sich im Rahmen des Prüfungsgesprächs der mündlichen Prüfung in der Zweiten Juristischen Staatsprüfung miteinander verknüpfen und damit abfragen lassen, sodass eine effiziente, systematische Wiederholung unter Berücksichtigung der spezifischen Anforderungen der mündlichen Prüfung ermöglicht wird.

Des Weiteren sind die zahlreichen „ergänzenden Hinweiskästchen“ ganz besonders hervorzuheben, die sich freilich in der inhaltlichen Ausgestaltung vornehmlich in zwei übergeordneten Kategorien einordnen lassen: So werden in diesen grau untermalten Kästchen dem Leser Vertiefungs- und Hintergrundinformationen präsentiert, die dem Leser die Möglichkeit eröffnen, einerseits den Gesamtzusammenhang einzelner Ausführungen zu verstehen (bspw. S. 52 f. zum Zusammenhang zwischen einem Versäumnisurteil und dem schriftlichen Vorverfahren vor dem Hintergrund der bereits im Schriftsatz zu stellenden Anträge oder S. 98 zur verfassungsrechtlichen Grundlage der Existenz von Schöffen in Art. 20 GG). Andererseits dienen jene Vertiefungs- und Hintergrundinformationen dazu, dem Leser die spezifische Prüfungssituation und/oder den Prüfungsgrund darzustellen, weshalb bestimmte Fragen vom Prüfer gestellt werden (z.B. S. 122 zur Relevanz der Berechnung des BKA für den Praktiker oder S. 139 zur Abfragemöglichkeit bezüglich der Strafgerichtsbarkeit im Falle des Einstiegs in die Prüfung über das Rechtsbehelfs-/-mittelrecht). Gerade Letzteres reduziert beim Examenskandidaten Ungewissheiten bezüglich der möglichen Verknüpfung von Fragenstellungen, mit der Folge, dass dieser in der konkreten Prüfungssituation mit bestimmten Fragentypen rechnen und daher souverän antworten kann.

Schließlich ist es erfreulich, dass Berkemeyer zum einen bei der Darstellung der jeweiligen Themengebiete bisweilen auf Fälle aus der aktuellen Tagespresse hinweist (siehe etwa im Zusammenhang mit der Strafgerichtsbarkeit S. 93 zur erstinstanzlichen Zuständigkeit des OLG im NSU-Fall oder im Zusammenhang mit dem Thema der Untersuchungshafthaft S. 109: Hoeneß-/Middlehoff-Fall). Zum anderen verweist Berkemeyer zu Beginn seines Werkes auf die Vorzüge einer methodischen Vorbereitung, sodass beispielsweise das Befragen von Terminierungshinweisen auf den Homepages von Ober- und Bundesgerichten vorgeschlagen wird (vgl. S. 2). Diese beiden Aspekte sind deswegen besonders zu begrüßen, weil – wie Berkemeyer ausführt – Prüfer regelmäßig dazu neigen, aktuelle Fälle aus der Tagespresse oder solche, die vor den Ober- und Bundesgerichten anhängig sind, zum Gegenstand ihrer Prüfung zu machen (siehe S. 1). Somit kann der Examenskandidat auch in diesem Bereich Ungewissheiten reduzieren, um in der konkreten Prüfungssituation nicht ins „kalte Wasser“ geworfen zu werden, sondern überlegt reagieren zu können.


Das Werk von Berkemeyer ist zusammenfassend besonders zu loben. Denn es bietet dem Rechtsreferendar gerade in Anbetracht der vor der mündlichen Prüfung ganz besonders knappen Ressource Zeit einerseits eine effiziente Möglichkeit der Wiederholung der besonders häufig abgeprüften Themengebiete und andererseits das Bilden eines Gespürs sowohl für die spezifischen Anforderungen der mündlichen Prüfung in der Zweiten Juristischen Staatsprüfung als auch für im systematischen Zusammenhang abprüfbaren Themengebieten. Abschließend kann also das Werk von Berkemeyer jedem Rechtsreferendar bei der allgemeinen Vorbereitung auf die mündliche Prüfung empfohlen werden.