Montag, 12. Juni 2017

Rezension: Gesellschaftsrecht in der Notar- und Gestaltungspraxis

Herrler (Hrsg.), Gesellschaftsrecht in der Notar- und Gestaltungspraxis, 1. Auflage, C.H. Beck 2017

Von Notarassessor Dr. Jan Hupka, LL.M. (Chicago), Hamburg



Das zu besprechende Werk ist als Erstauflage in der Beck’schen Reihe „in der Notar- und Gestaltungspraxis“ erschienen. Der Herausgeber – langjähriger Geschäftsführer des Deutschen Notarinstituts, nun Notar in München und durch zahlreiche Publikationen ausgewiesen – verspricht dabei eine hohe Qualität. Um es vorwegzunehmen, das Werk wird diesem Versprechen voll und ganz gerecht.

Angesichts der Vielzahl von Handbüchern zum Gesellschaftsrecht aus notarieller Perspektive stellt sich die Frage, wo dieses Werk im Vergleich zu ähnlichen Büchern – etwa dem gerade in zweiter Auflage erschienenen Notarhandbuch Gesellschafts- und Unternehmensrecht (Hrsg. Hauschild/Kallrath/Wachter) oder dem Kölner Handbuch Gesellschaftsrecht (Hrsg. Eckhardt/Hermanns) – einzuordnen ist. Das Werk stellt eine Mischform aus systematischen Erläuterungen der einzelnen Rechtsgebiete auf gut 2.000 Seiten sowie ausführlichen Musterformulierungen in einem separaten Abschnitt auf gut 300 Seiten dar.

Das Werk behandelt alle wesentlichen für Notare relevanten Fragen im Gesellschafts- und Unternehmensrecht. Neben den klassischen Handbuch-Themen der Rechtsformwahl, Ausführungen rund um die Personengesellschaften (inklusive GmbH & Co. KG) sowie die Kapitalgesellschaften (inklusive SE), behandelt das Werk auch die Gesellschaftervereinbarung, das Konzernrecht sowie das Umwandlungsrecht (innerstaatlich und grenzüberschreitend). Weiter werden behandelt das Recht des Unternehmenskaufs, der Unternehmensnachfolge, verfahrensrechtliche Fragen zur Beurkundung, Fragen des Registerrechts, des Insolvenzrechts, der Beteiligung Minderjähriger oder Fragen des internationalen Privatrechts. Zudem enthält das Buch Ausführungen aus der Feder des Referatsleiters am Deutschen Notarinstitut Dr. Rembert Süß zu den wichtigsten ausländischen Gesellschaftsrechten; neben Frankreich, England oder den USA auch etwa China, Russland oder Tschechien. Schließlich werden auch Fragen der Bilanzierung behandelt. Das Werk zeichnet sich auch durch hohe Aktualität aus. So wurden auch die Folgen des Brexits eingearbeitet, insbesondere die Auswirkungen auf britische Limiteds mit Verwaltungssitz in Deutschland und mögliche Lösungen (etwa zur grenzüberschreitenden Verschmelzung einer englischen Limited auf eine deutsche GmbH).

Eine Besprechung sämtlicher Inhalte kann hier naturgemäß nicht erfolgen. Nach einigen Wochen des Arbeitens mit dem Werk fällt indes auf, dass es kaum Fragen gibt, zu denen nicht hilfreiche Ausführungen zu finden sind; sei es zu Beschlüssen nach § 179a AktG (analog) bei Unternehmenstransaktionen, den Formvorschriften von Beendigungsbeschlüssen von Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträgen oder der Verweisung auf eine Datenraum-DVD als Anlage zum Geschäftsanteilsübertragungsvertrags.

Das Konzept einer Mischung aus systematischen Erläuterungen und ausführlichen Komplettmustern überzeugt. Auch die Verzahnung der beiden Teile gelingt. Für den schnellen Zugrifft könnte allenfalls angeregt werden, im Musterteil noch stärker auf die entsprechenden Ausführungen im systematischen Teil zu verweisen.

Als Grundstock für die gesellschaftsrechtliche Bibliothek eines Notariats und täglicher Begleiter ist das Werk wärmstens zu empfehlen und dürfte den Erwerb mehrerer spezialisierter Werke entbehrlich machen. Das gesamte notarrelevante Gesellschaftsrecht wird prägnant behandelt. Aufgrund der hohen Qualität der Bearbeitung wird das Buch auch in der bereits gut bestückten gesellschaftsrechtlichen Bibliothek eine herausgehobene Stellung einnehmen und ist daher wärmstens zur Anschaffung empfohlen.