Donnerstag, 15. Juni 2017

Rezension: Sachenrecht

Prütting, Sachenrecht, 36. Auflage, C.H. Beck 2017

Von Johann v. Pachelbel, Göttingen



Jeder Student kennt es, das Lehrbuch von Prof. Dr. Dr. h.c. Hanns Prütting zum Sachenrecht. Als „Klassiker“ oder „Standardwerk“ wird es bezeichnet, es hat Generationen von Jurastudenten durch das Jurastudium begleitet  und erscheint nun neu in der 36. Auflage. Der Klappentext preist das Lehrbuch als „unentbehrlichen Begleiter“ für die juristische Ausbildung an. In vorliegender Rezension soll geprüft werden, ob auch die neue Auflage des Sachenrecht-Lehrbuchs von Prütting sich diese Lorbeeren verdient hat.

Zunächst deckt das Lehrbuch alle studienrelevanten Bereiche des Sachverhalts ab. Schon im Inhaltsverzeichnis fällt auf, dass die verschiedenen Themen nicht einfach aneinandergereiht, sondern systematisch zu Themenblöcken geordnet sind. So stehen zum Beispiel die Kapitel über Hypothek und Grundschuld nicht allein, sondern sind mit weiteren Kapiteln unter dem Begriff „Kreditsicherungsrecht“ zusammengefasst. Diese nicht selbstverständliche Systematisierung erleichtert dem jungen Studenten die Orientierung und das Verständnis für die Materie.

Inhaltlich sind 2 Ebenen zu unterscheiden. Im Fließtext wird das Sachenrecht mit verständlicher Sprache und klaren Gedankengängen in seinen Grundzügen erklärt. In großen Teilen richtet sich das Lehrbuch also an Studenten, die erste Schritte im Sachenrecht unternehmen oder sich einen Überblick verschaffen wollen. Aber auch für fortgeschrittene Studenten und Examenskandidaten gibt es in jedem Kapitel Absätze in kleinerer Schrift, die auf hohem juristischem Niveau examensrelevante sachenrechtliche Probleme vertiefen. Dort werden Grundkenntnisse des Sachenrechts schon vorausgesetzt. Dort bezieht der Autor selbst Stellung zu Meinungsstreitigkeiten und so werden die methodischen und argumentativen Fähigkeiten des Studenten geschärft. Eine klare Zuordnung des vorliegenden Lehrbuches zu einer Zielgruppe ist also nicht möglich, vielmehr gelingt es dem Lehrbuch, sowohl dem Anfänger als auch dem Fortgeschrittenen Lehrtexte auf seinem jeweiligen Niveau in der jeweils gebotenen inhaltlichen Tiefe zu bieten.

Die Erklärung sachenrechtlicher Problemkreise erfolgt sehr theoretisch – Beispielfälle mit Musterlösungen werden nicht angeführt. Auch kleine Beispiele nehmen weniger Raum ein als bei vergleichbaren Lehrbüchern. Dadurch könnte das Lehrbuch einerseits dem Anfänger zu „trocken und theoretisch“ und andererseits dem Examenskandidaten „nicht anwendungsorientiert genug“ sein. Tatsächlich ist für die Vorbereitung auf Examensklausuren zusätzlich die Arbeit mit Skripten und Schemata nötig, die dieses Lehrbuch nicht vermittelt. Jedoch wird der Bearbeiter bemerken, dass ihm nach der Lektüre dieses Lehrbuches das Verständnis für die Anwendung von Sachenrecht in der Klausur bedeutend einfacher fällt. Der theoretische Ansatz dieses Lehrbuchs hat also seine Berechtigung und ist gerade für den ambitionierten Jurastudenten unverzichtbar. Aber auch der Anfänger wird durch viele kleine „Minibeispiele“ an die praktische Anwendung des vermittelten Wissens herangeführt. Die allermeisten Absätze enden mit Beispielen, die auch im Fließtext erklärt werden und nicht in Klausuroptik (Sachverhalt und Lösung) gezwängt werden.

So versucht das vorliegende Lehrbuch gar nicht erst, alles in einem zu sein. Anstatt ein Fallrepetitorium in das Lehrbuch zu integrieren, beschränkt es sich auf seine Kernkompetenz – die theoretischen Grundlagen und Kernprobleme des Sachenrechts dogmatisch klar und verständlich zu vermitteln. Durch diese Beschränkung schafft es das Lehrbuch, auf weniger als 400 Seiten Text ein umfassendes und auch für Examenskandidaten ausreichend tiefgreifendes Bild des Sachenrechts zu zeichnen.

Formal ist hervorzuheben, dass das Lehrbuch im Fließtext geschrieben ist und auf Skizzen fast vollkommen verzichtet. Die Teile des Lehrbuchs zur Vertiefung für Fortgeschrittene sind in kleinerer Schrift geschrieben, die sich sehr gut erkennbar von der Ausführung der Grundlagen absetzt.

Fazit: Der Rezensent empfiehlt das vorliegende Sachenrecht-Lehrbuch von Prof. Prütting nach eigener Durcharbeit wärmstens an Studenten aller Fachsemester.