Samstag, 10. Juni 2017

Rezension: ZPO

Thomas / Putzo, Zivilprozessordnung, 38. Auflage, C.H. Beck 2017

Von Ref. iur. Marie-Beatrice Dewitz, Achim



Das von Prof. Dr. Heinz Thomas und Prof. Dr. Hans Putzo begründete und von Dr. Klaus Reichold, Dr. Rainer Hüßtege und Dr. Christian Seiler fortgeführte Werk ist mittlerweile in der 38. Auflage erschienen. Der Thomas/Putzo ist als Standardwerk bekannt und in allen Bundesländern zur Zweiten Juristischen Staatsprüfung als ZPO-Kommentar zugelassen. Das Werk, welches neben den Ausführungen zur ZPO auch solche zum FamFG, EGZPO, GVG, EGGVG und dem EU-Zivilverfahrensrecht enthält, umfasst etwas unter 2500 Seiten und zählt damit eher zu den „schlankeren“ Zivilprozessrechtskommentaren. Die Zielgruppe sind Richter, Rechtsanwälte, Rechtspfleger, Referendare und Studierende, woran der praxisorientierte Charakter des Werkes zu erkennen ist.

In der 38. Auflage wurden zahlreiche kleine Änderungen durch deutsche und vor allem europäische Rechtsakte berücksichtigt. Hervorzuheben ist dabei das Gesetz zur Änderung des Sachverständigenrechts und zur weiteren Änderung des Gesetzes über das Verfahren in Familiensachen und weiterer Gesetze, wodurch Einfügungen und Änderungen in der ZPO, EGZPO und im FamFG veranlasst wurden. Auf europäischer Ebene hervorzuheben, ist die Verordnung (EU) Nr. 655/2014 zur Einführung eines Verfahrens für einen Europäischen Beschluss zur vorläufigen Kontenpfändung im Hinblick auf die Erleichterung der grenzüberschreitenden Eintreibung von Forderungen und Handelssachen, die seit dem 18.201.2017 anzuwenden ist, sowie deren Durchführungsgesetz (EuKoPfVODG), die zahlreiche Änderungen in der ZPO zur Folge hatten und in der 38. Auflage des Thomas/Putzo Berücksichtigung fanden. Auch die aktuelle Rechtsprechung, Aufsätze, die Neuauflagen der zu berücksichtigenden Kommentare und Lehrbücher wurden ausgewertet und eingearbeitet (Stand 10.02.2017).

Besonders gelungen ist, dass die Kommentierungen nicht mit Verweisen überladen sind. Diese finden sich zwar in Klammern im Fließtext, was den Lesefluss allerdings nicht stört, da es nicht übertrieben lange Verweisketten, sondern kurze und prägnante Verweisungen sind.

Positiv hervorzuheben ist auch, dass die Untergliederung der Kommentierungen übersichtlich ist und das schnelle Auffinden der für den Leser relevanten Informationen ermöglicht. Bei längeren Kommentierungen findet sich unter dem jeweiligen Gesetzestext des Paragraphen ein kurzes Inhaltsverzeichnis, was dem ebenfalls zuträgt.

In Bezug auf den praxisorientierten Charakter ist außerdem positiv aufgefallen, dass sich nicht mit theoretischen Diskussionen auseinandergesetzt, sondern alles in zielführender Kürze abgehandelt wird. In diesem Zusammenhang ist auch zu erwähnen, dass der Kommentar Formulierungsvorschläge, wie bspw. für die Kostenentscheidung in der Kommentierung zu § 92 ZPO, enthält, die durch Unterstreichungen optisch hervorgehoben sind. Dies ist gerade für Referendare und Berufsanfänger bei der Formulierung von Entscheidungen oder Anträgen sehr hilfreich.

Sollten prozessuale Fragestellungen in der täglichen Berufspraxis oder der Examensklausur auftauchen und nimmt man in dieser Situation den Thomas/Putzo zur Hand, so hat man die richtige Entscheidung getroffen. Durch die übersichtliche Gestaltung und die prägnanten Kommentierungen lassen sich Antworten schnell finden, während der Kommentar trotzdem nicht zu oberflächlich ist. Wer den tieferen Sinn einer Vorschrift erforschen oder sich mit theoretischen Diskussionen zu dieser auseinandersetzen möchte, könnte jedoch enttäuscht sein.

Für die Praxis ist der Thomas/Putzo allerdings äußerst empfehlenswert und zu Recht in allen Bundesländern als ZPO-Kommentar für die Zweite Juristische Staatsprüfung ausgewählt worden.